Erst waren es über 10 Jahre E.A.R. Classic II, jetzt weitere 7 Jahre mit den MotoSafe Tour
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Jeder kennt dieses eine Geräusch beim Motorradfahren. Das konstante Rauschen des Fahrtwinds, welches Anfangs noch gar nicht so schlimm wirkt, dann aber zunehmend nervt und schließlich zur echten Belastung wird.
Was auf kurzen Strecken oder bei niedrigen Geschwindigkeiten auszuhalten ist und daher ignoriert wird, führt auf längeren Touren eventuell zu Kopfschmerzen, dem bekannten »Pfeifen auf den Ohren« nach der Fahrt und langfristig zu permanenten Schäden. Da man nur zwei Ohren hat und es auch keine Ersatzteile dafür gibt, ist für mich Gehörschutz deshalb kein optionales Zubehör, sondern essenziell für die Sicherheit und den Fahrspaß.
Doch die Suche nach dem perfekten Stöpsel ist gar nicht so einfach: Er darf nicht drücken, muss unter den Helm passen und sollte den (von manchen als sehr wichtig empfundenen) Motorradsound nicht komplett schlucken.
Wie laut es im eigenen Helm zugeht, konnte wohl jeder im wahrsten Sinne des Wortes »erfahren«? Selbst gemessen habe ich es noch nie, ich wüsste auch nicht womit. Aber immer wieder ist bei Geschwindigkeiten ab 80 km/h von einem Lärmpegel von 85 bis über 100 Dezibel (dB) zu lesen. Abhilfe schafft hier die Anschaffung von einem Gehörschutz.
Bereits im Februar 2019 hatte ich hier im Blog aufgrund eines Großeinkaufs über die E.A.R. Classic berichtet: »E.A.R. Classic ear plugs – Gehörschutz auf dem Motorrad«). Die gelben Gehörschutzstöpsel sollen bis zu 31 dB (SNR) Dämpfung bieten.
Ich hatte sie zu diesem Zeitpunkt schon seit über 10 Jahren beim Motorradfahren verwendet, war aber auf der Suche nach günstigen oder auch nachhaltigen Alternativen.
Im gleichen Jahr (November 2019) hatte ich mir dann als zusätzliche Option von Alpine die MotoSafe »Tour« gekauft, zu denen ich heute ein Fazit mit meinen persönlichen Eindrücken veröffentliche.
Hätte ich das auch schon früher machen können? Dank Corona hatte sich ab 2020 einiges verändert, man konnte nicht mehr einfach so mit dem Motorrad fahren. Die vergangenen Jahre war ich auch nicht mehr so viel unterwegs wie früher, meine Notizen zu den MotoSafe Tour habe ich aber nach jeder längeren Fahrt gemacht. Heute wird nun endlich das Fazit veröffentlicht. 😊
Bevor es an das schon mehrere Jahre lang zurückliegende »Unboxing« geht, noch ein wenig Theorie zur Dämpfung und der Angabe »dB (SNR)«, welche immer wieder im Kontext vom Gehörschutz zu lesen ist.
Die Bezeichnung »dB (SNR)« steht für »Single Number Rating in Dezibel« und ist ein europäischer Standard. Der Wert ist die »Angabe der durchschnittlichen Lärmreduzierung von Gehörschutzprodukten«, beispielsweise Ohrstöpseln oder Kapselgehörschutz (der klassischen »Micky-Maus« oder auch »Mauseohren« im Volksmund). Je höher der SNR-Wert, desto stärker die Dämpfung. Eine Angabe wie »35-dB-Gehörschutz« macht es also leiser als ein Produkt mit der Angabe »25 dB (SNR)«. Aber das ist nicht alles.
Wichtiger Fakt zum SNR-Wert: es ist ein Durchschnittswert. Die Dämpfung ist in der Regel nicht über den gesamten Frequenzbereich gleichbleibend, sondern ist mal stärker, mal schwächer ausgeprägt.
Die von mir genutzten E.A.R. Classic II Gehörschutzstöpsel hatten als Angabe eine Dämpfung von 28 dB (SNR). Auf der Website von 3M konnte ich ein Datenblatt zu den »E-A-R™ Classic™ Soft« finden, aus diesem zitiere ich die folgende Tabelle.
Dämmwerte
| Frequenz (Hz) | 63 | 125 | 250 | 500 | 1000 | 2000 | 4000 | 8000 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Mf (dB) | 28.2 | 30.6 | 32.8 | 35.9 | 36.0 | 38.5 | 43.8 | 43.1 |
| sf (dB) | 6.7 | 6.4 | 5.4 | 4.2 | 3.7 | 3.2 | 3.8 | 3.8 |
| APV (dB) | 21.5 | 24.2 | 27.4 | 31.7 | 32.3 | 35.3 | 40.0 | 39.3 |
Zusammenfassung: SNR = 36 dB | H = 36 dB | M = 33 dB | L = 29 dB
Die Einschränkung vom Mittelwert am Praxisbeispiel erklärt: Die Stöpsel dämpfen tiefe Frequenzen stärker ab als höhere Frequenzen. Beim Wert wird dies nicht berücksichtigt, erst mit einer solchen Tabelle des Herstellers wird detailiert aufgeschlüsselt, welche Frequenzen wie stark vermindert werden.
Halb Spontankauf, halb geplant. Die Stöpsel habe ich mir im November 2019 bei Louis mitgenommen, als ich eigentlich etwas anderes kaufen wollte. Aber sie standen so verlockend in der Nähe vom Tresen und ich wollte für mehrtägige Touren Stöpsel haben, welche definitiv auf »wiederverwertbar« getrimmt sind. 😎
Alpine liefert die MotoSafe Tour in einer kompakten, ansprechenden Verpackung aus, welche dank schöner Motorradromantik am oberen Rand vermittelt: Hier geht es um Komfort auf langen Strecken – und Abenteuer. 😁
Die Funktion: Die »Tour«-Variante ist mit einem Filter ausgestattet, welcher mit 17 dB (SNR) eine mittlere Dämpfung bietet. Das Ziel ist also nicht eine maximale Dämpfung bis zur totale Stille, sondern das Filtern schädlicher Windgeräusche. Sondersignale, Hupen, die Motorgeräusche eventuell auch die Kommunikation über das Intercom und der Umgebungsverkehr sollen weiter hörbar bleiben.
Der Inhalt: In der Box befinden sich zwei universelle Ohrstöpsel in Einheitsgröße, eine praktische Mini-Tasche (»Travelbox«😉 für den Schlüsselbund oder die Jackentasche sowie eine Einführhilfe aus Kunststoff, um die Stöpsel leichter im Gehörgang platzieren zu können.
Ich hatte schon ähnlich gestaltete Stöpsel für den Einsatz im Proberaum und bei Konzerten. Die »Tannenbaum«-Konstruktion, welche auch Alpine bei den MotoSafe-Stöpseln verwendet, war mir also gut bekannt. Ich habe mir die Variante »Tour« geschnappt und erst später realisiert, dass es auch noch »Race« gegeben hätte. 🙄
Der Unterschied zwischen »Tour« und »Race« ist auf der beigelegten Produktionformation dargestellt. »Tour« filtert zwischen 14,6 und 19,0 dB, »Race« zwischen 17,2 und 21,5 dB – je nach Frequenzbereich.
Stellt sich nun die Frage »Tour oder Race«? Der mutmaßliche Einsatzzweck, wie er auch durch die Bewerbung von Alpine dargestellt wird:
| Feature | MotoSafe Tour (schwarzer Stil) | MotoSafe Race (roter Stil) |
|---|---|---|
| Dämpfung (SNR) | 17 dB | 20 dB |
| Einsatzbereich | Touren, Landstraße, Autobahn | Rennstrecke, offene Helme, High-Speed |
| Charakteristik | moderate Filterung, sehr natürlich | starke Filterung, hohe Dämpfung |
| Filter-Typ | »medium« | »high« |
Während die »Tour«-Edition somit ideal für den Alltag und längere Reisen ist, greift man zur Race-Variante, wenn man entweder sehr geräuschempfindlich ist, der Helm sehr laut ist, weil es sich um einen MX- oder Jethelm handelt oder man den maximalen Schutz bevorzugt oder gar benötigt. Auch beziehungsweise gerade bei hohen Geschwindigkeiten und leisen Helmen sollte man zur Variante »Race« greifen.
Die Lamellen sind übrigens bei beiden Modellen identisch. Der Unterschied liegt im »Kern« des Stöpsels, in welchem sich der eigentliche Filter verbirgt.
Das »Drumherum« um den Kern besteht aus dem patentierten AlpineThermoShape™-Material. Alpine betont dessen Anpassungsfähigkeit: Im Gegensatz zu klassischem Silikon reagiert dieses Material auf die Körperwärme im Ohr. Dadurch werden die Lamellen weicher und sie schmiegen es sich innerhalb weniger Minuten perfekt an die individuelle Form des Gehörgangs an – schreibt jedenfalls Alpine.
Die Hautfreundlichkeit des Materials wird ebenfalls von Alpine hervorgehoben. Es ist silikonfrei, was besonders für Allergiker wichtig ist. Es ist zudem weich, flexibel und lässt sich nach der Fahrt einfach mit lauwarmem Wasser und Seife reinigen, was die Stöpsel sehr langlebig machen soll. Bis zu 100 Mal sollen sich die Stöpsel in jedem Fall wiederverwenden lassen.
Zunächst was die Lösung von Alpine für mich auf der Haben-Seite zu bieten hat. Im direkten Vergleich zu den E.A.R. Classic II lassen sie etwas mehr Höhen durch. Keine Sorge, die Windgeräusche werden noch immer gut gedämpft, aber ich konnte mich mit den Stöpseln in den Ohren und aufgesetztem Helm gut mit jemandem unterhalten. Daher vermute ich, dass auch die Nutzung mit einem Intercom mit den Stöpseln funktionieren sollte.
Die Handhabung mit der »Einführhilfe« ist sehr einfach und man hat im Gegensatz zu den Modellen anderer Anbieter keinen »langen Stängel« aus dem Ohr herausstehen.
Ebenso positiv bewerte ich die Möglichkeit, die Stöpsel zu reinigen und danach wieder zu verwenden. Ich habe sie am Ende eines Tages beziehungsweise nach der Tour stets mit Wasser und Seife gereinigt. Sie sehen auch nach sicherlich deutlich über 50 Einsätzen (ich hatte sie nicht nur beim Motorradfahren, sondern auch auf Konzerten genutzt) aus wie neu. Selbst die feinen, weichen Lamellen sind noch immer unbeschädigt.
Jetzt zu den negativen Eindrücken, welche ich leider auch sammeln musste. Ich hatte bei mehrtägiger Nutzung Schmerzen im Gehörgang. Bei meinen sechs Tagestouren in Folge im März 2026 hatte ich die Stöpsel verwendet. Ab dem vierten Tag wurde es unangenehm, der fünfte Tag machte gar keinen Spaß mehr. Am sechsten Tag hatte ich sie nicht mehr verwendet.
Vielleicht liegt es daran, dass mein Gehörgang etwas zu klein ist? Jedenfalls hatte ich mutmaßlich Druckstellen und zu allem Überfluss kam es durch die gereizten Stellen zu Schwellungen. Die Konsequenz war, dass mir das Absetzen des Helmes große Schmerzen bereitete.
Beide Gehörgänge waren danach äußerst sensibel und das Entfernen der Stöpsel war ebenfalls schmerzhaft. Ich habe danach Wund- und Heilsalbe (Dexpanthenol) mit einem Wattestäbchen vorsichtig auftragen wollen. Selbst das war zuviel und verusachte Schmerzen. 😕
Mit den E.A.R. Classic II hatte ich keine solchen Probleme. Ich vermute, dass der harte Kern in Form des Filters der Alpine MotoSafe für eine dauerhafte Nutzung an mehreren Tage in Folge für meine Gehörgänge einfach zu groß ist?
An den Lamellen hatte ich keine Verschleißerscheinungen. Dafür am »Minigrip«. Saß der Stöpsel zu fest aufgrund der oben beschriebenen Problematik? Waren meine Fingernägel zu lang und ich zu unsensibel? Der »Minigrip« wirkt eigentlich nicht gerade fragil, aber jetzt ist einer der beiden Stöpsel ohne etwa 50% von diesem »Minigrip« unterwegs. 🙄
Was da auf der 2-Euro-Münze liegt ist etwa die Hälfte von einem der beiden »Minigrips«. Ich konnte den Stöpsel trotzdem noch gut aus dem Ohr ziehen, ich habe dafür die Einführhilfe genutzt und dann damit den Stöpsel aus dem Ohr bekommen.
Die Qualität der Alpine MotoSafe ist hoch, das bezweifle ich nicht. Aber ich zweifle jetzt daran, ob es das richtige Produkt für mich beziehungsweise meine Ohren ist.
Was ich machen werde: Es gibt ein Testset bei Amazon, bei welchem man für etwa 15 Euro eine Sammlung von 21 verschiedenen Paaren von den bekannten Unternehmen (3M, Moldex, Honeywell und Uvex) Anzeige erhält. Einige werden nicht fürs Motorradfahren geeignet sein, denn sie sind mit einer Schnur verbunden. Die XL-Größe eines Stöpsels von Honeywell bekomme ich vermutlich auch nicht ins Ohr. Ich werde berichten, wie sie mir passen. 😉
Die Alpine MotoSafe »Tour« werde ich weiter nutzen. Aber nicht mehr so intensiv an mehreren Tagen. Ich kann mir vorstellen, sie auf Pendelstrecken zu tragen. Also dann, wenn ich weiß, dass ich sie nach einer Stunde herausnehmen werde. Für längere Strecken wird es wohl für mich ein anderes Produkt werden.
Die »Travelbox« wird für den Pendelzweck sicherlich gute Dienste erweisen. Für die anderen Stöpsel werde ich zu einem anderen Behältnis greifen müssen. Wie sich der unfreiwillig gekürzte »Minigrip« künftig schlagen wird, wird sich bei den nächsten Einsätzen zeigen.
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