Ich habe einen neuen Helm. Ja, das kommt bei Motorradfahrern immer wieder mal vor, aber meinen Kauf will ich dann doch vorstellen und auch erklären wieso es gerade dieser Helm sein sollte.
Die Farbe wird vermutlich polarisieren, aber ich weise ja schon im Link und in der Überschrift darauf hin: Ja, das Ding ist gelb. Sehr gelb sogar. Wer bei der Farbe in Verbindung mit dem Thema Motorrad einen Beißreflex hat sollte vorsichtig sein. 😉
Vor dem Helmkauf stellt man sich selbst die Frage, wie denn der ideale Helm aussieht. Natürlich für einen selbst und somit sind die Rahmenbedingungen für die Auswahl des Modells auch höchstindividuell. Die Helmhersteller sind aber so freundlich und bieten ein reichhaltiges Sortiment an um möglichst jeden Wunsch erfüllen zu können.
Was mein neuer Helm als »Features« haben sollte (aufgrund der Erfahrungen mit meinen bisher gekauften und genutzten Helmen) und andere Rahmenbedingungen:
Ich möchte einen Klapphelm haben.
Dann bleiben die Haaare samt Sturmhaube dort, wo ich sie daheim hinsortiert habe. Beim Tankstopp oder während einer kurzen Pause brauche ich einfach nur das Kinnteil hochklappen und muss nicht mehr den Helm absetzen.
Ich möchte ein Pinlock Innenvisier haben.
Ich bin Helme mit und ohne Pinlock Innenvisier gefahren. Der Sicherheitsgewinn durch das nicht beschlagende Visier ist so groß, dass ich nicht darauf verzichten möchte. Sollte der Helm es nicht beim Kauf dabei haben, möchte ich zumindest die Sicherheit haben, dass es ein Visier »mit Pinlockvorbereitung« zu kaufen gibt.
Ich möchte einen Doppel-D-Verschluss haben.
Ich habe Helme mit Doppel-D-Verschluss, Rastenverschluss und Gurtschloss (ähnlich wie das im PKW) gehabt. Für mich ist der Doppel-D-Verschluss als Schnellverschluss das Nonplusultra: Einfach in Konstruktion, schnell und sicher zu schließen, einfach zu öffnen und obendrein auch noch immer richtig gespannt. Beim Rastenverschluss musste ich gelegentlich den Riemen wieder nachziehen, wobei die Microrasterung einiges abgefangen hat. Beim Gurtschloss war es ein lästiges Übel, denn schon der Wechsel von der dünneren auf die dickere Sturmhaube sorgte teilweise schon für unangenehmen Druck am Hals.
Ich möchte einen auffälligen Helm haben.
Ich brauche keine Totenschädel, keine Energydrinkwerbung, keine Sterne, Blitze und auch keine mattschwarze Oberfläche. Ich möchte einen Helm haben, welcher mich auch schon aus mehreren 100 Metern gut sichtbar macht. Helle, auffällige Farben erledigen diesen Job gut. Schwarze oder zumindest dunkle Helme habe ich auch gekauft – weil da die Auswahl eben am größten ist und sie auch nicht immer gleich nach einer Ausfahrt schmuddelig aussehen. Aber man wird eben deutlich schlechter damit gesehen. Der Kopf ist und bleibt beim Fahren der höchste Punkt und ist daher für alle anderen Verkehrsteilnehmer eigentlich gut zu sehen (außer man setzt sich eine mattschwarze Murmel auf die eigene Murmel).
Ich möchte ein integriertes Sonnenvisier haben.
Nachdem ich einen Helm mit innenliegendem Sonnenvisier gekauft habe, möchte ich auch das bei jedem neuen Helm haben. Es ist einfach praktisch und
Auf der Suche nach einem Helm der diese Anforderungen in dieser Reihenfolge erfüllt, war lang.
Bis auf einen Punkt erfüllt der von mir gekaufte HJC SY-MAX III Anzeige die oben genannten Punkte. Der nicht erfüllte Punkt meiner Wunschliste ist der Verschluss. Denn mein neuer Helm hat leider keinen Doppel-D-Verschluss sondern ein Microrasterschloss. Aber das ist auch okay, denn bei unterschiedlicher Wahl von Sturmhaube beziehungsweise Buff-Tuch gleicht die Rasterung die die unterschiedlich benötigte Länge des Riemens aus.
Alle anderen Punkte meiner Liste sind erfüllt worden, ich habe nun sogar noch ein Fach für die »ChatterBox Xbi2-Intercom-Anlage«. Die brauche ich zwar nicht da ich normalerweise als »einsamer Wolf« alleine unterwegs bin, aber das Fach ist eben da (ein Bild davon sieht man weiter unten auf dieser Seite).
Wie bei bisher allen Modellen von HJC ist auch der SY-MAX III für Brillenträger ein Kauftipp. Denn auch beim SY-MAX III sind wieder Aussparungen (Kanäle) vorhanden, in welche man die Bügel der Brille auf beiden Seiten leicht einstecken kann.
Daher drückt beim Tragen einer Brille in Verbindung mit dem Helm nicht ständig etwas auf beiden Seiten. Bei anderen (Klapp)Helmen musste ich früher – als ich noch Brillenträger war – leider häufiger negative Erfahrungen machen und konnte teilweise die Brille erst gar nicht aufsetzen.
Das Visier lässt sich einfach mit der linken Hand öffnen und schließen, aber das ist ja keine Besonderheit von HJC sondern eigentlich ein bei so gut wie allen Helmen beziehungweise Herstellern verbreiteter Standard.
Auf dem Bild oben kann man das aus der Helmschale ausfahrende integrierte getönte Visier leider nur schlecht erkennen. Es wird mittig oben auf dem Helm bedient und kann in mehreren Stufen rastend heruntergeschoben werden.
Damit es in die Helmschale zurückgleitet genügt ein Druck auf eine Taste, das Sonnenvisier fährt dann automatisch umgehend zurück. Damit habe ich schon Übung, die drei Stufen kenne ich schon von meinem HJC IS 16, bei welchem ich die Vorzüge des integrierten Sonnenvisiers kennenlernen konnte.
Das »ACS« (Advanced Cooling System) soll dafür sorgen, dass die Wärme aus dem Helm abgeführt wird. Der Luftstrom soll breitflächig durch die diversen Kanäle geführt werden und so eine »komfortable Kühlung« bieten.
Das aus/mit »SilverCool™« gefertigte Innenfutter kann zum Reinigen ausgebaut werden. HJC wirbt damit, dass man es auch austauschen kann wenn es mal verschlissen sein sollte. Es habe eine »antibakterielle Ausrüstung« und soll daher Geruchs- und Bakterienbildung hemmen.
Der Helm hatte leider eine etwas längere Lieferzeit. Anprobiert habe ich ihn in einem Polo Store, jedoch in einer anderen Farbe. Das »grün-gelb« (wie HJC es nennt) hatten sie nicht auf Lager. Als ich den Helm heute abholen konnte, war ich zuerst irrtiert: Auf der Helmschale klebt ein Aufkleber von wegen »L 80« als Größenangabe. Ich habe jedoch einen Helm in »XL« beim Probeaufsetzen mit Sturmhaube benötigt.
Falsch geliefert? Nein. Die Größe passt, aber sie haben wohl einen »L«-Helm genommen und ein »XL«-Futter eingesetzt damit er mir passt? L und XL haben die gleiche Außenschale. Der Unterschied liegt tatsächlich im austauschbaren Innenleben in Form des Futters. 🙄
HJC produziert den SY-MAX III in zwei Größen für die Helmschale. Die feinen Abstufungen der Größen erfolgen dann durch individuelle Innenfutter mit unterschiedlicher Materialstärke. Dies ist auch bei anderen Herstellern gängige Praxis.
Das Fach für die »ChatterBox Xbi2-Intercom-Anlage« wird bei mir wohl nie genutzt werden. Ich habe nicht vor mir etwas entsprechendes anzuschaffen. Lohnt sich für mich nicht, ich fahre primär alleine – und dann müsste der andere Fahrer auch ein kompatibles System installiert haben. Wenn ich dann wieder das Singen unter dem Helm anfange, wird's auch nicht besser. 🙄
Pinlock ist der Markenname für ein Innenvisier, welches auf dem eigentlichen Visier angebracht wird. Durch das Luftpolster zwischen den beiden Visieren beschlägt das Innenvisier nicht (es ist und bleibt wärmer → daher keine Kondensation).
Ja, es gibt Leute die sagen »braucht man nicht« und das Visier sei eine totale »Geldschneiderei«.
Ein »gut belüfteter Helm macht Pinlock überflüssig«. Hakt man nach stellt man fest, das diese Personen noch nie mit einem mit Pinlock ausgerüstetem Helm gefahren sind. 🙄
Während der Fahrt mag eine gute Durchlüftung helfen beziehungsweise völlig ausreichend sein – aber nicht wenn man z.B. morgens im Stadtverkehr mit von der Wohnungstemperatur auf die Umgebungstemperatur abkühlendem Visier an diversen Ampeln atmet und sich die Feuchtigkeit vom Atem innen am Visier niederschlägt.
»Ja, dann machste halt an der Ampel das Visier hoch!« – kann man machen, ist aber Kacke. Insbesondere dann, wenn es evtl. auch regnet oder man nicht permanent das Visier hoch und runterklappen will. Aber jeder wie er mag? 🙄
Ich bin aus zwei Gründen vom Pinlock Innenvisier überzeugt:
Das Visier beschlägt nicht mehr von innen und man hat klare Sicht – egal welches Wetter gerade vorherrscht.
Wer nicht ständig am Visier herumfummelt fährt entspannter und somit sicherer.
Ja, Nebel schlägt sich außen auf dem Visier nieder. Aber das ist auch bei Visieren ohne Pinlock so. Pinlock verhindert den – auch ohne Nebel und somit immer vorhandenen – Niederschlag der Feuchtigkeit aus der Atemluft wenn das Visier abkühlt.
Einen Nachteil hat das Pinlock-Innenvisier jedoch: Es ist nicht für die Besitzer von Maschinen geeignet welche in stark nach vorne geneigter Sitzhaltung unterwegs sind. Denn dann stört die Dichtlippe des Innenvisiers den Blick nach vorne.
Da ich recht aufrecht auf dem Motorrad sitze, hat das Innenvisier bei mir vermutlich nicht die Auswirkung.
Zudem scheint sich der Hersteller gegen eventuelle Klagen absichern zu wollen. Ich sehe zwar keine Gefahr das sich das Innenvisier irgendwie ablösen könnte – der Hersteller warnt jedoch explizit vor der Verwendung eines Helms mit Innenvisier mit oben beschriebener »Origami-Sitzhaltung«.
Was jetzt natürlich fehlt ist ein Langzeitbericht zum Helm. Ich werde hier immer wieder kleine Updates posten wie es mir mit dem Helm so ergangen ist – habe ich mir jedenfalls fest vorgenommen. 😉
Update vom 11.09.2014
Da ich der Meinung war mir den kleinen Finger der linken Hand mit einem Werkzeug aufspießen zu müssen ist eine Erfahrung, welche jeder mal gemacht haben sollte → ich war die letzten Monate nicht so viel unterwegs wie ich gerne unterwegs gewesen wäre. 🙄
Inzwischen geht es dem Finger wieder einigermaßen gut (Nerv ist beschädigt, habe nur noch auf der Häfte vom Finger Gefühl, kann auch keine Temperaturunterschiede fühlen – ein saudummes Gefühl sag ich euch) und ich kann wieder fahren.
Zeit für ein paar Zeilen zum SY-MAX III und wie es mir mit ihm ergangen ist. In einem Wort: »Super!«.
Ich bin hochzufrieden, er erfüllt mir meine Wünsche und ist zudem auch noch leiser als alle Helme, welche ich bisher in meinem Besitz hatte. Nur ein kleiner Kritikpunkt: Wenn ich das Innenfutter beziehungsweise die weiche Lasche am Riemen (rechte Seite) nicht ordentlich »hinsortiere« zieht es während der Fahrt unangenehm von unten in den Helm.
Warum dem so ist, ist der Klappfunktion geschuldet. Andere Integralhelme haben einen recht groß dimensionierten »Chin Curtain«, also ein flexibles Stück Stoff am Kinn. Dies verhindert effizient Zugluft, kann aber wegen der Klappfunktion am SY-MAX III (und anderen Klapphelmen) nicht ganz so groß ausfallen.
Dort zieht es mir nun eben rein wenn ich beim Aufsetzen ein wenig schludrig war – somit mein Versagen und nicht das vom Helm. 🙄
Update: vom 17.07.2016
Fast zwei Jahre sind mittlerweile vergangen. Ein paar 1'000 km bin ich mit dem Helm nun auf drei verschiedenen Motorrädern sitzend gefahren. Ich bin noch immer sehr zufrieden mit dem SY-MAX III. Das Pinlock-Visier funktioniert noch immer einwandfrei, ebenso sieht es bei der Klappfunktion und dem integriertem Sonnenvisier aus.
Positiv anzumerken ist ebenfalls, dass das Polster nicht wirklich nachgegeben hat. Der Helm sitzt also noch immer sicher und fest auf meinem Kopf ohne zu drücken.
Mittlerweile sehe ich immer mehr Fahrer mit genauso auffällig gelben Helmen wenn ich unterwegs bin. Subjektiv nehme ich sie in jedem Fall besser wahr, auch wenn sie beispielsweise auf der Autobahn auf der Gegenfahrbahn unterwegs sind. Der »gelbe Punkt ganz oben« ist eben doch ein Sicherheitsgewinn – ich bin fest überzeugt davon.
Leider bleiben die Anfeindungen in Foren gegenüber »Gelbhelmen« und »Warnwestenträger«. Mich lässt's kalt. Aber wer sich davon vermutlich beeindrucken lässt: Die Fraktion der Fahranfänger, welche natürlich möglichst cool unterwegs sein wollen und sich von »du siehst sexuell unentschlossen aus wenn du einen gelben Helm hast«-Kommentaren anderer vielleicht stärker beeindrucken lassen als sie es sich selbst eingestehen wollen. 🙄
Ironie ist jedenfalls häufig nicht mit im Spiel, eher Sarkasmus mit dem Ziel, dass alle gleich »schlecht sichtbar« in schwarz auf schwarz vor schwarzem Hintergrund unterwegs sind?
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