Auch bekannt als als »Ellipsoid-Scheinwerfer«

Aufbau eines DE-Scheinwerfers

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Böse Zungen bescheinigen eine gewisse Ähnlichkeit zum Kopf von »Nummer Johnny 5«[1]>. Andere fahren voll auf das doch recht unkonventionelle Aussehen der sogenannten »DE-Scheinwerfer« ab, welche auch als »Ellipsoid-Scheinwerfer« angeboten werden.

Zunächst zur Begriffsklärung: Im Englischen nennt sich die Bauweise »triple-axle ellipsoid headlamp«. Wird dies ins Deutsche übersetzt, erhält man »dreifach Ellipsoid Scheinwerfer« (daher das »DE«) oder auch »triaxial Ellipsoid Scheinwerfer«. Da wohl zum Aussprechen (und schreiben) angenehmer, werden sie in Onlineshops und Katalogen einfach als »Ellipsoid-Scheinwerfer« bezeichnet.

Zwei DE-Scheinwerfer in einer Halterung
Zwei DE-Scheinwerfer in einer Halterung

Eine Ellipse kennt vermutlich jeder: »Das ist ein in die Länge gezogener Kreis«. Stimmt soweit als zweidimensional dargestelltes Objekt. Geht man in die dritte Dimension, erhält man ein Ellipsoid.

Vermutlich kennt man die Form aus dem Alltag und denkt gar nicht weiter darüber nach, obwohl man schon früh am Morgen damit konfrontiert wird. Denn das vermutlich in vielen Haushalten übliche Frühstücksei ist auch nichts anderes.


In einigen Foren hatte ich die Anleitung zur Variante verlinkt, wie Viatore Zusatzscheinwerfer an seiner Yamaha XJ 600 S befestigt[1] hat. Einer der beiden Scheinwerfer (jener für Fernlicht) ist ebenfalls ein DE-Scheinwerfer.

Aber was ist eigentlich so toll an den DE-Scheinwerfern? Mal von der unkonventionellen Optik abgesehen? Gibt es sie auch als Abblendlicht – und wie kann man sie unterscheiden?

»HC«: Halogen Abblendlicht
»HC«: Halogen Abblendlicht
»A«: Begrenzungsleucht (Volksmund: »Standlicht«)
»A«: Begrenzungsleucht (Volksmund: »Standlicht«)


Im Endeffekt waren viele Fragen offen, daher habe ich in einer meiner Pappkartons gekramt, zwei gebrauchte DE-Scheinwerfer samt Halterung hervorgezaubert und einen davon zerlegt. Weiter unten auf dieser Seite kann man also das Innenleben von einem solchen DE-Scheinwerfer (aka Ellipsoid-Scheinwerfer) bewundern.

Zunächst jedoch ein kleiner Exkurs in die Kennzeichnung von Scheinwerfern und was sie bedeuten. Das man nicht einfach irgendwo irgendwas montieren kann, habe ich ja bereits am Beispiel der Fahrtrichtungsanzeiger[2] beschrieben.

Bei den Scheinwerfern gibt es (unter anderem) folgende Kennzeichnungen:

A Begrenzungsleuchte  
 
HR Halogen Fernlicht
B Nebellicht  
 
HCR Halogen Abblend- und Fernlicht
C Abblendlicht  
 
HC/R Halogen Abblend- oder Fernlicht
R Fernlicht  
 
DC Xenon Abblendlicht
CR Abblend- und Fernlicht  
 
DR Xenon Fernlicht
C/R Abblend- oder Fernlicht  
 
DC/R Bi-Xenon (Abblend- oder Fernlicht)
HC Halogen Abblendlicht  
 
RL (Daytime Running Light) Tagfahrleuchten
Anmerkung: »/« bedeutet »nicht zusammen einzuschalten«

Bei den beiden DE-Scheinwerfern aus meinem Pappkarton sind mehrere Kennzeichnungen zu finden. Auf der Unterseite (siehe Bild rechts oben über der Tabelle) befindet sich neben der Aufnahme für das Leuchtmittel der Begrenzungsleuchte (im Volksmund auch als »Standlicht« oder »Positionsleuchte« bezeichnet) rechts die Kennung »A«.

Homologiert für »HC« und »HR«...
Homologiert für »HC« und »HR«...
Also Halogen Abblend- beziehungsweise Halogen Fernlicht
Also Halogen Abblend- beziehungsweise Halogen Fernlicht


Auf der anderen Seite ist ein Aufkleber angebracht. Laut diesem handelt es sich bei dem Scheinwerfer um ein Abblendlicht mit Halogenscheinwerfer. Daher die Kennung »HC«. Allerdings befinden sich auf dem Gehäuse selbst auch noch zwei Kennungen. Das eine ist die Wiederholung der Angaben des Aufklebers, also »HC«. Die andere ist »HR« für Fernlicht mit Halogenleuchtmittel. Wie ist das möglich?

Das Gehäuse selbst (beziehungsweise Reflektor und Linse) sind sowohl für Fern- wie auch für Abblendlicht geeignet. Allerdings geht bei einem DE-Scheinwerfer konstruktionsbedingt nur eine von beiden Varianten.

Ein Blick durch die Linse: Ein Schild aus Metall
Ein Blick durch die Linse: Ein Schild aus Metall

Ein Blick durch die Linse ins Innere des DE-Scheinwerfers bringt es – im übertragenen Sinne – ans Licht. Man kann deutlich ein Schild aus Metall erkennen, welches sich im Inneren des Scheinwerfers befindet. Was bei bei einer Bilux-Leuchte vom Leuchtmittel selbst übernommen wird, muss beim DE-Scheinwerfer mit H3-Leuchtmittel dieses Schild als Blende bewerkstelligen: Einen Teil vom Licht(kegel) blockieren.


Ich habe den Scheinwerfer zerlegt und somit auch das als in den Scheinwerfer integrierte Blende dienende Metallschild freigelegt. Für die Nutzung als Abblendlicht muss dieses Schild vorhanden sein. Ohne Schild würde das ganze Licht, welches vom Leuchtmittel abgegeben wird, durch die Linse geführt werden. Genau das ist die Funktionsweise vom Fernlicht.

Aus dem DE-Scheinwerfer für Abblendlicht wird ein DE-Scheinwerfer für Fernlicht, wenn das Metallschild entfernt wird. Daher wurde der Scheinwerfer sowohl für HC wie auch HR homologiert, kann jedoch nur eine Funktion erfüllen.

Damit der Gegenverkehr nicht geblendet wird, ist die Blende entweder für Rechts- oder für Linksverkehr gefertigt. Wer sich günstige DE-Scheinwerfer aus Großbritannien kommen lässt, sollte zuerst herausfinden ob sie für den Einsatz auf dem Festland ausgelegt sind beziehungsweise. entsprechend verwendet werden können.

Der Reflektor des DE-Scheinwerfers
Der Reflektor des DE-Scheinwerfers
Der Metallschild blockiert einen Teil des Lichts
Der Metallschild blockiert einen Teil des Lichts


Die Linse verleiht dem DE-Scheinwerfer sein unkonventionelles, futuristisches Erscheinungsbild. Keine riesige Streuscheibe sondern eine vergleichsweise kleine Öffnung, welche völĺig neue Möglichkeiten bei der Platzierung des Scheinwerfers ermöglicht – sofern die Einbautiefe einem nicht in die Quere kommt. Weiter unten mehr zu diesem Thema.

Die DE-Scheinwerfer werden mit 40 bis 90 mm Linsendurchmesser angeboten. Das Modell auf den Bildern hat einen Linsendurchmesser von ca. 78 mm. Die Linse kann theoretisch einfach getauscht werden, sollte sie durch Steinschlag oder altersbedingte Abnutzung unbrauchbar werden. In der Regel sind die Linsen aus Kunststoff gefertigt. Gleiches trifft auch auf die Scheiben der klassischen Scheinwerfer mit Parabol-Reflektor zu. Daher ist dies kein Nachteil gegenüber der altbekannten und -bewährten Scheinwerfer.

Zerlegen des Abstandhalters mit Linse
Zerlegen des Abstandhalters mit Linse
Die Linse (aus Kunststoff) lässt sich einfach lösen
Die Linse (aus Kunststoff) lässt sich einfach lösen


Als Nachteil könnte gewertet werden, dass man nie nur einen Scheinwerfer für den normalen Betrieb verbauen kann. Man muss die Ellipsoidscheinwerfer im Set als Paar mit H3 Leuchtmitteln[3] erwerben. Nur wenn man zwei der Scheinwerfer montiert hat, kann man auf Abblend- und Fernlicht zurückgreifen. Da beides vorgeschrieben ist, müssen eben auch zwei DE-Scheinwerfer verbaut werden.

DE-Scheinwerfer können riesig sein!
DE-Scheinwerfer können riesig sein!

Wie oben schon erwähnt, sind die Linsen der Scheinwerfer zwar relativ klein, dafür sind die Scheinwerfer länger also so mancher Scheinwerfer mit Parabol-Reflektor.

Außerdem wird häufig noch eine Verkleidung oder zumindest eine Halterung benötigt, was den Anbau von DE-Scheinwerfern nicht günstiger als den Anbau von klassischen Scheinwerfern macht.


Um eine auf einen Blick nachvollziehbare »Maßeinheit« für die Ausmaße eines solchen DE-Scheinwerfers liefern zu können, habe ich einfach einen 10-Euro-Schein neben den Scheinwerfer gelegt. Natürlich haben die DE-Scheinwerfer mit kleinerem Linsendurchmesser auch einen kleineren Reflektor, trotzdem sollte man vor dem Kauf überprüfen, was tatsächlich an Platz vorhanden ist und bis zu welcher Tiefe des Reflektors problemlos DE-Scheinwerfer verbaut werden können.

Einer der Vorteile des DE-Scheinwerfers ist die konstruktionsbedingt vorhandene exakte Hell-Dunkel-Grenze. Der Gegenverkehr wird weniger geblendet und es gibt weniger Streulicht. Das Licht landet dort wo es hin soll: Vor das Fahrzeug.

In der Theorie werden rund 36% des nutzbaren Lichts bei einem DE-Scheinwerfer auf die Straße gebracht. Im Vergleich zu einem Freiflächenscheinwerfer (im Volksmund als »Klarglas«-Scheinwerfer bekannt) ist das aber nicht ganz so prickelnd: Die Freiflächenscheinwerfer nutzen (theoretisch) 45% des zur Verfügung stehenden Lichts. Einen solchen Freiflächenscheinwerfer[3] habe ich beispielsweise an meiner GSF 1200 verbaut.

Ob sich diese (theoretischen) 9% in der Praxis relevant auswirken? Eher nicht. Die Meinungen in den Foren sind da recht eindeutig: Gegenüber alten Scheinwerfer mit Streuscheibe sind die DE-Scheinwerfer eine deutliche Verbesserung.

Als gravierenster Nachteil wird die im Vergleich zu Freiflächenscheinwerfer und klassischem Scheinwerfer mit Streuscheibe deutlich eingeschränkte Ausleuchtung der Fahrbahnseite kritisiert. Auch wenn der DE-Scheinwerfer für Rechtsverkehr gestaltet ist: Er strahlt nur wenig vom Fahrbahnrand an der rechten Seiteaus. Im Dunkeln Kurven zu fahren ist dann nicht sonderlich angenehm. Erst recht nicht, wenn der Scheinwerfer in einer Maske montiert ist und sich daher nicht mit der Gabel drehen kann.

Ein nebensächlicher, aber eventuell nicht unerheblicher Nachteil der DE-Scheinwerfer: Ihre Linse. Trifft das Sonnenlicht ungünstig auf die Linse, so wird es außerhalb vom Scheinwerfer auf die Verkleidung, die verbaute GFK-Maske, etc. geworfen. Sollte dann ausgerechnet dort der Brennpunkt liegen, kann sogar die Verkleidung »angekokelt« werden[4].



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