Gestrandet mit losem Gasgriffgummi in einem Funkloch im Rems-Murr-Kreis
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Den letzten Nachweis für die Passknackersaison 2026 war ich am 18. April gefahren. Danach passierte »Leben« und andere Dinge, die sich dann melden, wenn man andere Pläne hatte. Ich melde mich erst jetzt im September zurück. Mit neuen Reifen, neuer Batterie und schön gepflegter Kette und habe trotzdem gleich eine kleine Pannenserie mit der Tiger 800 parat.
Angefangen mit den Problemen hat es, dass kurz vor dem ersten Nachweispunkt meiner einzigen Passknacker-Tagestour im nun vergangenen September klar wurde, dass das China-Navi nicht mehr laden will. Die Bordsteckdose sollte intakt sein, muss die Tage schauen was es nun wieder ist. Mehr Probleme folgten in der Schicksalsgegend für mich: Bei Spiegelberg.
Aber alles noch mal zurück auf Anfang, wir schreiben den 27. September 2026. Es ist ein sonniger, ungewöhnlich warmer Tag vorhergesagt worden. Der Kater weckte mich um sechs Uhr, der Napf war wieder aus unerfindlichen Gründen über Nacht plötzlich leer geworden, das ganze Futter fehlte. Der piepsende Wecker in Form des Schmarrnfons meldete sich dann um 7:00 Uhr.
Ich gab mir größte Mühe, aber ich blieb noch mal als personifiziertes Phlegma einige Zeit liegen. Frühstück etwas später, aus der für 9:00 Uhr geplanten Abfahrt wurde gedanklich 10:00 Uhr und tatsächlich dann 11:00 Uhr. Wäre ich die zwei Stunden früher losgefahren, wäre ich ich auch nicht mehr bei Tageslicht heimgekommen – aber das wusste ich da noch nicht.
Tankstopp um etwa 11:20 Uhr. Meine schlaue App auf dem Schmarrnfon erklärte mir, wo ich aktuell günstig E10 bekomme. Aus unerfindlichen Gründen ist die sonst von mir favorisierte freie Tankstelle sogar teurer als eine Aral? Zumindest bei E10.
Ich vertraue treu dem »Anxiety Rectangle« und tanke schließlich bei einer Jet in Autobahnnähe. Ja, irgendwie vergeht kein Beitrag ohne einen Hinweis auf die aktuellen Kraftstoffpreise?
Im April hatte ich in Österreich E10 für 1,709 Euro pro Liter gekauft, Ende September sind es nun 2,169 Euro. Wohlgemerkt in den 40 letzten Sekunden vor der nächsten Erhöhung um 12 Uhr, also zur »möglichst optimalen Tankzeit«.
Keine neue Erkenntnis der letzten Monate, aber eine die sich mal wieder bewahrheitet hat: Manchmal sollte man Dinge nicht verschieben sondern »einfach machen«. Denn ansonsten ist es irgendwann mal zu spät und die Chance ist vertan.
Den Tank vollmachen und losfahren. Nicht weiter nachdenken. Die Tour fahren, sich über das gute Wetter freuen und gespannt sein, was die Tour so mit sich bringt.
Der Tank war voll, die kleinen schwarzen Blöcke im Display der Tiger 800 füllten sich ebenfalls von »E« nach »F«. Lifehack: Wenn man mit Karte zahlt und nicht auf die Zapfsäule schaut, merkt man nicht gleich wie viel es gekostet hat. 😁
Noch ein letztes Bild der Preise und ab auf die Autobahn. Keine schöne Anfahrt, aber die schnellste Möglichkeit die etwa 120 km zum ersten Nachweispunkt zurückzulegen.
In der Nähe vom ersten geplanten Nachweispunkt »Neuwirtshaus (Lichtenberg)« möchte ich das Navi in Betrieb nehmen. Ich hatte den Akku zuletzt daheim per Mini-USB geladen, nicht per Ladeschale am Motorrad.
Der letzte Test ob es läd, lag schon ein paar Wochen zurück, aber das sollte ja kein Problem sein? Es hatte ja funktioniert. Pustekuchen.
Ich lege den ersten ungeplanten Zwischenstopp ein und schaue nach, ob eventuell die Sicherung »durch ist«. Davor noch mal den DIN-Stecker in der Buchse drehen, vielleicht ist es auch nur ein schlechter Kontakt? Nein, alles drehen und drücken half nicht.
Also wurden die beiden Sitzbankteile demontiert, die Sicherung ausgebaut und überprüft. Die Sicherung sah unbeschädigt aus, sicherheitshalber wurde noch eine andere 10 A Sicherung eingesetzt. Das Navi wollte weiter nicht laden und daher auch nicht mehr starten.
Das ein Platz für eine Sicherung leer ist, ist bei meiner Tiger 800 A08 normal. Daran lag es also auch nicht. Also ohne Navi weiter, die nächsten vier Nachweispunkte kann ich ja »aus dem Kopf« anfahren, »das wird kein Problem«. Dachte ich zumindest.
Schon beim Nachweispunkt »Kanapee« hätte ich mir die Unterstützung vom Navi gewünscht. Die Buche beim Kunstwerk aus Stein ist nämlich in den vergangenen fünf Jahren so sehr gewachsen, dass ich erst mal am Nachweispunkt vorbeigefahren bin. 🙄
Der zweite Versuch war dann erfolgreich, von der anderen Seite her kommend konnte ich das im Halbschatten liegende Kanapee entdecken und mich für das Nachweisfoto darauf räkeln.
Auf zu den nächsten beiden Nachweispunkten, welche einfach zu finden waren. Zwar hat sich die Beschilderung ein wenig geändert, aber das war nur ein optisches Upgrade. Die übrigen Angaben waren noch immer identisch.
Fährt man Jux vom Westen her an ist es viel einfach das Nachweisfoto am Ortsschild zu machen. Ich habe wieder etwas gelernt. Ein freundlicher Motorradfahrer interpretierte mein geschäftiges Treiben das Nachweisplakat mit den vier Magneten zu befestigen zunächst falsch. Er hielt an um nachzufragen ob ich eine Panne hätte. »Nein, alles gut.«, Daumen hoch.
Noch ahnte ich nicht, dass er wohl hellseherische Fähigkeiten hatte.
Die treuen, aufmerksamen Leserinnen und Leser in meinem Blog erinnern sich vielleicht noch an mein Erlebnis als ich mit der BMW hin, und mit dem Zafira zurück gefahren bin. Immerhin hatte ich an diesem Tag im August 2015 meine 150 Nachweise schon erbracht, dieses Jahr hinke ich hinter diesem Ziel noch immer her.
Im August 2015 war in Jux Endstation für die BMW, Bremsleitung undicht beim Bergauffahren von Spiegelberg aus. Dieses Jahr bin ich die Runde andersherum gefahren. Von Spiegelberg aus ging es zum Nachweispunkt Stocksberg. Jedenfalls war ich gerade kurz hinter Spiegelberg, fahre die K1820 hinauf – und werde plötzlich langsamer?
Ich hatte plötzlich keine Gasannahme mehr. Die Ursache war, dass sich das Gummi vom Oxford-Heizgriff von der Hülse gelöst hat. Hatte mutmaßlich über 10 Jahre gut gehalten, am Schicksalsberg - äh - kurz nach Spiegelberg war dann Schluss.
Mit sehr, sehr festem Griff konnte ich zwischen der Oxford-Heizgriffhülse und der Drehhülse zumindest noch mal so viel Reibung erzeugen, dass ich bis zu einer Bucht fahren konnte.
Idyllisch gelegen, abgesehen von den teilweise mit sicherlich deutlich über 100 km/h den Hügel hinabdonnernden Motorradfahrern, welche mit viel Krach mir meine Versuche den ADAC zu erreichen deutlich erschwert haben.
Auf dem nächsten Bild noch ein wenig eindrucksvoller, welchen Platz ich mir für die Panne »ausgesucht« hatte. Eine schöne Bucht, nicht als Parkplatz ausgewiesen. Aber immerhin weg von der Straße und den potenziell die Kurven hinabschießenden Kradisten.
Leider hatte der Platz ein wichtiges Element nicht zu bieten: ein stabiles Funknetz. An mobile Daten war nicht zu denken, Telefonie war ebenfalls nicht wirklich möglich. SMS? Ausgeschlossen.
Mein erster Versuch den ADAC zu erreichen scheiterte. Ich konnte noch ein wenig der Warteschleifenmusik und der Ansage lauschen, beim ersten Kontakt mit einer menschlichen Person wurde mir sehr abgehackt mitgeteilt, dass ich wohl nicht zu verstehen bin und daher das Gespräch beendet.
Ich versuchte zwischen den Zugängen zu den Wanderwegen ein Plätzchen mit besserem Empfang zu finden. Die Kontaktliste wurde kurz durchsucht und der Freundeskreis belästigt. Abholen konnte mich niemand, alle zu weit weg beziehungsweise ich war ja der, der zu weit weg von daheim war.
Auch hier leider nur eine nicht wirklich brauchbare Verbindung. Etwas einen Forstweg hinauf, ein paar Schritte im Sonnenschein an einer Holzbank vorbei, endlich konnte man mich verstehen.
Ich blieb dort stehen, konnte den ADAC schließlich erreichen. Oder doch nicht? Ich hatte verstanden, dass mir eine Bestätigungs-SMS gesendet wird? Oder muss ich eine SMS bestätigen?
Zunächst wurde mir noch erklärt, dass ich jederzeit Online auch meine Panne melden könne, inklusive Standortmeldung und alles wäre sehr einfach möglich. Nun ja. Ohne Netz ist nichts »sehr einfach möglich«. Ich wartete noch ein paar Minuten auf die angekündigte SMS, welche nie ankommen sollte.
Wie weiter machen? Immerhin hatte ich ein schattiges Plätzchen bei den etwa 28 °C, welche für den Nachmittag angesagt waren. Es scheint öfters »wärmer zu werden«, das Stationszeichen sah jedenfalls nicht mehr wirklich ganz frisch aus? 🙄
Ein älteres Pärchen fuhr plötzlich aus einem Waldweg mit ihren elektrisch unterstützten Fahrrädern raus und hielt an. Ich suchte das Gespräch und wollte wissen, ob die beiden vielleicht bei einem anderen Mobilanbieter sind und ich von deren Mobiltelefon aus meinen ADAC-Kontakt noch einmal versuchen könnte.
»Hier gibt es kein Netz. Für niemand. Ich habe es auch schon mal probiert.«
Die Dame wusste offensichtlich gut über die Anbindung ans Funknetz bescheid und erkannte dann meine Situation. Wenn ich Hilfe rufen wollte, müsste ich den Hügel runter nach Spiegelberg. »Davor gibt es kein Netz an dieser Strecke«.
Geschätzt waren inzwischen deutlich über 100 Motorräder die Straße entweder hoch oder hinunter gefahren. Mal schneller, mal langsamer. Ein Blick auf die Uhr: inzwischen war fast eine Stunde vergangen. Warten war also keine Option.
Ich verzichte auf die Stöpsel in den Ohren, ziehe die Sturmhaube über den Kopf, setze den Helm auf und meine rechte Hand greift so fest sie kann um das Gummi vom Griff. Ich kann die Hülse drehen, zumindest Anfahren sollte möglich sein. Ich drehe den Schlüssel, lasse den Anlasser seine Arbeit tun und die drei Kolben fangen an zu arbeiten.
Ein Blick die Straße hinauf, es scheint gerade keiner zu kommen. Sicherheitshalber noch einmal nachschauen, ja alles frei. Die rechte Hand krallt sich wieder um den Gummigriff zusammen. Ich bringe die Tiger 800 auf etwa 50 km/h, lasse sie dann mit nach rechts gesetztem Blinker ausgekuppelt rollen.
Sobald ich den Griff lockere, schnappt die Hülse zurück in die Leerlaufposition. Zwei Motorräder überholen mich auf der etwa 2 Kilometer langen Strecke, zum Glück war nicht mehr los und ich hoffe sie hatten mein Blinken auch frühzeitig als Aufforderung zum Überholen verstanden.
Eine Stunde ist seit meinem ersten ADAC-Anrufsversuch vergangen. Ich nutze den bei der automatischen Antwort gegebenen Tipp und versuche online meine Panne zu melden. Dies klappt tasächlich, auch wenn die GPS-Position etwa 10 Meter daneben liegt und meinen Standort auf die falsche Straße setzt.
Ich fülle das Formular aus und ergänze die Information, dass ich es schon telefonisch versucht hatte, aber die Verbindung sehr schlecht war. Sieben Minuten später erfolgte der Rückruf. Inzwischen war es 15:15 Uhr und es wurde noch einmal erfasst, was eigentlich passiert war. Die Beschreibung »der Gummi vom Gasgriff hat sich von der Hülse gelöst« war nicht klar genug. Auch wenn man angegeben hat, dass es sich um ein Motorrad mit Panne handelt und dies eine Tiger 800 von Triumph ist. Schwarz ist sie auch, die Farbe ist eine Pflichtangabe, vermutlich damit das Pannenfahrzeug schneller gefunden werden kann?
Meine Beschreibung des Problems wurde übernommen und weitergemeldet. Wobei ich noch immer den Eindruck hatte, dass der Mensch am Telefon noch nie an einem Motorrad geschraubt hat.
15:29 Uhr. Ich habe noch ein paar Bilder gemacht und stelle nebenbei fest, dass ich mir etwa alle 30 Sekunden ein anderes Motorrad anschauen kann. Denn so stark war die Straße inzwischen frequentiert. Wer dort am Ortsausgang wohnt und etwa alle 30 Sekunden den hochdrehenden Motor mit ein, zwei, drei, vier oder noch mehr Zylindern hören muss, der hat sicherlich irgendwann keinen Bock mehr.
Nun meldet sich telefonisch der »Gelbe Engel« und kündigt sich für »in etwa 20 Minuten« an. Er fragt noch mal nach, was ich genau für ein Problem habe und stellt dann fest, dass er sicherheitshalber noch Sekundenkleber einpacken wird. Teilweise konnte ich ihn nicht verstehen. Nicht wegen dem Funknetz, sondern weil gerade wieder ein paar Maschinen mit vier Zylindern mutmaßlich im ersten Gang auf über 70 km/h beschleunigt wurden.🙄
Ich beobachte weiter was in der Region so an verschiedenen Motorrädern beheimatet ist, sogar vollelektrisch war mit dabei und ein Quartett an Großrollern. Diese waren deutlich lauter als eine KTM, welche den Berg hinauf verhältnismäßig leise beschleunigt wurde.
Ich hatte derweil Zeit mir Gedanken zu machen. Beispielsweise ob ich mir doch zumindest eine neue Schaltverstärkung bei meinen Daytonas leisten soll? Aktuell werden von Frey daytona dafür pro Stück 53,95 Euro aufgerufen, pro Paar sind 91,95 Euro fällig. Andererseits stört mich die größtenteils fehlende Verstärkung nicht wirklich.
Zwei weitere Motorräder ziehen an mir vorbei. Ob einige Kameras montiert hatten? Wie oft tauche ich wohl auf Videos auf, welche niemals jemand anschauen wird – abgesehen von dem Kameramann oder der Kamerafrau natürlich? Ein gelber VW kommt um die Ecke, der ADAC ist da!
Freudig winkend machte ich auf mich aufmerksam, aber ich war ja leicht zu erkennen. Schließlich hatte ich das einzige Motorrad an diesen Koordinaten zu bieten, welches sich nicht bewegt. 😉
Der »Gelbe Engel« bekam von mir noch mal das Problem geschildert und den gelösten Griffgummi gezeigt. Der Barkbuster war schnell gelöst, der Gummi vollständig abgezogen und den ausgehärteten Resten wurde mit etwas Schmiergelpapier auf den sprichwörtlichen Pelz gerückt.
Nachdem die Hülse präpariert war, kam der Griff von Oxford an die Reihe. Dieser ist auf der Innenseite leider nicht gummiert sondern ebenfalls aus Hartplastik. Anders als beim Tausch des verschlissenen Griffgummis an meiner BMW R 1150 GS vor neun Jahren reicht da kein Haarspray aus, da muss richtiger Klebstoff für die haltbare Verbindung sorgen.
Der 2K-Klebstoff wurde großzügig aufgebracht, verteilt und anschließend die Anleitung konsultiert. Etwa zwei Stunden lang sollte ich den Gummi nicht mehr bewegen bis der Klebstoff die »Funktionsfestigkeit« erreichen konnte.
Das warme Wetter war von Vorteil, die Lufttemperatur sollte noch immer bei etwa 25–26 °C liegen. Per Schmarrnfon konnte ich herausfinden, dass es eine Pizzeria in Spiegelberg gibt, welche sogar schon um 16:00 Uhr geöffnet hat. Ich machte mich auf den Weg.
Eine Pizza bestellen, dazu ein oder zwei Spezi (Mezzo-Mix ist auch okay), da sollte es zügig 18:00 Uhr werden. So jedenfalls der Plan. Aber wenn eins bislang nicht funktioniert hat, dann waren es meine Pläne. Diese Serie sollte sich nun fortsetzen.
Die Tiger 800 wurde von mir noch umgesetzt ohne dabei den Griffgummi anfassen zu müssen. So an der Hauswand neben der Laderampe sollte sie an einem Sonntag für die nächsten zwei Stunden sicherlich niemanden stören?
Die Pizzeria war relativ schnell gefunden, denn Spiegelberg ist nicht sonderlich groß.
Irgendwie war klar, dass die Panne dann passiert, wenn die Pizzeria geschlossen hat? Oder das die Pizzeria geschlossen hat, wenn ich eine Panne habe?
Ein freundlicher Spiegelberger mit imposantem Vollbart musste meine Frage nach einer anderen Möglichkeit etwas in einer Gastwirtschaft zu Essen leider mit einem »Nein« beantworten. Die nächste Möglichkeit wäre eventuell in Jux. Damit meinte er vermutlich die Gaststätte Löwen in Jux, bei welcher ich damals meine Spezis getrunken und auf den ADAC gewartet hatte, als die BMW keine Bremse mehr hatte. 🙄
Ich wurde von ihm mit ACE und Mineralwasser versorgt, einige Minuten später kam er mit zwei »frisch gezupften« Äpfeln vorbei. Hunger und Durst konnte somit erfolgreich begegnet werden.
Ein Apfel wurde gegessen, der andere zur Wegzehrung in den Tanksucksack gepackt. Man weiß ja nie ob man nicht noch einmal stranden wird?
Anhand der EXIF-Daten in den Bildern konnte ich nachvollziehen: 13:55 Uhr in Jux, 18:01 Uhr in Stocksberg. Dazwischen der unfreiwillige Zwangsstopp im Funkloch an der K1820, von dem aus der ADAC nicht erreichbar war. Eine Stunde später dann die Online-Meldung in Spiegelberg, noch eine Stunde später kam der ADAC dann bei meinem Standort an.
Der Kleber zwischen Gummi und Gashülse musste 2 Stunden lang aushärten. Habe mir so lange Spiegelberg angeschaut. Rund vier Stunden ungeplanter Aufenthalt, immerhin konnte ich diesmal mit dem Motorrad weiterfahren und musste nicht auf einen Abschleppwagen warten.
Damit der Klebstoff schneller aushärtet beziehungsweise seine Endfestigkeit erreichen kann, stellte ich die Heizgriffe auf die höchste Stufe und fuhr die nächsten Nachweispunkte an.
Um 18:19 Uhr war ich dann in Wüstenrot. Das hätte eigentlich auch schon 14:19 Uhr sein sollen. 🙄
Die Sonne wanderte im Westen immer näher an den Horizont heran, der Himmel färbte sich langsam violett und rot. 19:07 Uhr kam ich dann beim tatsächlich letzten Nachweispunkt der Tagestour an: »Waldenburg«. Neun Nachweise statt der geplanten 12. Die übrigen drei Nachweispunkte (Hohenbrach, Karnsberg und Einkorn) schminkte ich mir ab. Ohne funktionierendes Navi hätte ich diese vermutlich nicht mehr vor dem Einbrechen der Nacht alle anfahren können.
Seit dem Tankstopp um 11:20 Uhr hatte ich nur 191 km zurückgelegt. Ein Tankstopp vor der Rückfahrt war definitiv notwendig, gleichzeitig wollte ich noch ein wenig warten bis die Sonne tatsächlich hinter dem Horizont verschwunden war. Denn die A6 führte genau in Richtung Westen und ich wäre permanent von der Sonne geblendet gewesen.
Klang das eben wie ein Plan? Ja, irgendwie schon. Wie war das bisher mit meinen Plänen so verlaufen? Richtig, auch dieser Plan war wohl durchdacht, konnte dann aber nicht umgesetzt werden. 🙄
Eigentlich wollte ich noch Tanken bevor ich auf die A6 aufgefahren bin. Ich musste jedoch lernen, dass die Tankstellendichte nicht so hoch ist wie von mir vermutet. Hochmut kommt vor dem Fall, die Shell erschien mir etwas zu teuer, ich wollte daher noch nach einer anderen Möglichkeit suchen. Ein Autohof sollte ja auch noch kommen, ich hatte ja die A6, die A81 und die A8 vor mir.
Bei der Esso Tankstelle an der A6 (Hohenlohe Nord) hielt ich nur an um das folgende Bild zu machen:
Ich bin gespannt was im Januar 2027 passiert wenn der Preisdeckel für die Kraftstoffpreise kommen soll. Dann müsste es ja an den Autobahntankstellen der gleiche Preis sein wie bei den übrigen Tankstellen? Wir werden sehen wie das dann aussehen wird – wenn der Deckel überhaupt kommen sollte.
Zurück zu meinem Plan, der nicht so funktioniert hatte wie erhofft. Ich war auf die A6 gefahren. Hätte ich mein Navi gehabt, wäre ich vermutlich direkt auf der Landstraße von Waldenburg nach Bretzfeld bzw. Bitzfeld gefahren und hätte dort getankt.
Ich war aber auf der A6 und dann »gefangen« im Baustellenbereich und konnte nicht mehr von der A6 abfahren. Gekonnt drehte ich auf dem Kreuz Weinsberg um dann auf dem Rastplatz Gagernberg noch mal mein schlaues Schmarrnfon zu befragen ob ich nicht evtl. doch falsch gefahren bin? Denn plötzlich verweigerte Google Maps die Anzeige von Tankstellen, es würde gar keine geben?
Ich hatte das Smartphone ins Sichtfach des Tankrucksacks gesteckt. Leider hatte es irgendwie während der Kurvenfahrten im Kreuz Weinsberg einen Impuls bekommen und die Navigation beendet. 🙄
Zum Glück hatte ich noch im Kopf, dass die Automatentankstelle in Bitzfeld sein würde und bin »klassisch« über die Kartenansicht auf dem Parkplatz navigiert, habe dann das Smartphone ausgeschaltet und bin nach der Beschilderung gefahren.
»EDi« (Energie-Direkt) war dann um 20:34 Uhr erreicht und ich konnte an der Automatentankstelle E10 nachfüllen... Natürlich habe ich keinen Cent gegenüber der Shell-Tankstelle gespart, sondern unnötig E10 verblasen um dann E10 für einen um zwei Cent pro Liter höheren Preis tanken zu können. 🙄
Aber damit nicht genug. Ich hatte übersehen, dass die Autobahnauffahrt von Bretzfeld in Richtung Heilbronn gesperrt war. Also musste ich in Bretzfeld in Richtung Nürnberg auffahren um dann in Öhringen eine ähnliche Aktion wie beim Kreuz Weinsberg abliefern und wieder »wenden«. 🙄
Hätte ich nicht auch via Landstraße direkt in Richtung Südwest auf die A81 fahren können? Theoretisch ja. Ich hatte es mir auch kurz auf Google Maps angeschaut. Dann hatte ich aber beschlossen, dass es wohl sinnvoller ist einfach schnellstmöglich auf die A6 zu fahren wo weniger Potenzial lauert falsch fahren zu können.
Die Entscheidung brachte zwar noch mal 16 zusätzliche Kilometer mit sich, dafür habe ich mich nicht noch einmal verfahren und kam schließlich daheim an. Ich war ziemlich genau 12 Stunden unterwegs, somit kurz vor 23:00 Uhr daheim – und bin nur etwa 350 km gefahren. Eingesammelt habe ich wie bereits erwähnt nur neun statt der geplanten zwölf Nachweise.
Das lief irgendwie auch schon mal besser. Vielleicht beim nächsten Mal im Oktober? Aber irgendwie ist die Tour auch eine Metapher für das, was zwischen April und September 2026 so passiert ist: Pläne, die anders verlaufen. Pläne. Plural.
Barry McGuire singt mir gerade beim Schreiben dieser Zeilen in mein linkes Ohr »Eve Of Destruction«, während der größte Teil der Instrumente von rechts kommt.
Herausgesucht habe ich mir den Titel, weil der Songtext erschreckent aktuell ist (auch wenn schon über 60 Jahre alt) und das Wortspiel »The Eve of Reduction« zum Vorabend des Tankrabatts passt.
Aber ähnlich aktuell wie der Text von »Eve Of Destruction« zur aktuellen Lage passt, so passt auch die Parallele vom Jom-Kippur-Krieg im Nahen Osten als Auslöser der ersten Ölkrise 1973 zum aktuellen Kriegsgeschehen im Nahen Osten. Durch die nun stattfindenden Angriffe auf Tankschiffe und die drastische Verringerung des Schiffsverkehrs in der strategisch wichtigen Straße von Hormus schießt der Ölpreis jetzt im Herbst 2026 wieder deutlich in die Höhe.
Morgen soll es dann den umstrittenen Tankrabatt in Deutschland geben.
Am Vorabend des Tankrabatts war ich daher wieder mal unterwegs und habe mein Schmarrnfon als Kamera genutzt und an fünf Tankstellen die Preise fotograpixelt. Der Peak beim Dieselpreis? 2,559 Euro. Uff.
In völliger Zufälligkeit ergab sich wieder mal die traute Gemeinsamkeit der versehentlich identischen Kraftstoffpreise. Egal ob Aral, Shell oder Total. Abgesehen vom Premiumsaft sind die drei Standardsorten Diesel, Super E5 und E10 völlig identisch.
Vier Stunden später an einem anderen (diesmal autobahnnahen) Ort: Immerhin günstiger, aber noch immer unangenehm für den Geldbeutel. Was macht derweil der ADAC? Er fordert die Abschaffung der 12-Uhr-Regelung.
Die Begründung? Zwar habe sich die Zahl der täglichen Preisänderungen erheblich reduziert (und es geht nur noch runter und nicht mehr hoch), aber die Preisdifferenz sei größer geworden.
»Wer mittags nach 12 Uhr tanken muss, hat erhebliche Zusatzkosten, die sich in keiner Weise rechtfertigen lassen« soll eine der Aussagen gewesen sein.
Wieso bekommen das die Österreicher schon seit 2009 und sind sogar bei dieser Regelung geblieben? Was die Österreicher als krassen Trick herausgefunden haben: Niemand muss mittags nach 12 Uhr tanken. Falls doch muss er an seinem Zeitmanagement ernsthaft und nachhaltig nachjustieren. 🙄
Seit 14:00 Uhr sind die Preise durchgehend stabil. Vermutlich geht es um 9:00 Uhr morgen noch mal um einen Cent runter, danach vielleicht noch mal um ein, zwei weitere Cent um 10:00 oder 11:00 Uhr. Mehr passiert da nicht.
Ich bleibe dabei, dass es eigentlich viel einfacher und planbarer geworden ist. Wieso will der ADAC dann die Abschaffung der Regelung? Damit es um 16:00 Uhr wieder um 8 Cent nach oben gehen kann wie früher? Ich verstehe die Forderung vom ADAC jedenfalls nicht.
Viel spannender finde ich, was TotalEnergies gerade in Frankreich anstellt. TotalEnergies hat selbst und freiwillig einen »Kraftstoffpreisdeckel« eingeführt. Die Kraftstoffpreise in Frankreich sind aktuell nicht wirklich viel anders als die Preise in Deutschland. Im Durchschnitt im vergangenen September etwa 2,40 Euro für Gazole (Diesel) und etwa 2,16 Euro für Sans Plomb 95-E10 (Super E10).
Außer bei TotalEnergies.
An deren Tankstellen gilt ein Maximalpreis von 2,25 Euro für Diesel und 1,99 Euro für Super E10. Durch den deutlichen Preisunterschied kommt es nun dazu, dass manche Sorten an den Tankstellen von TotalEnergies ausverkauft sind. Was man dabei wissen muss ist, dass TotalEnergies kein reiner Tankstellenbetreiber ist, sondern ein »Öl- und Gasmulti«.
Wenn die weltweiten Ölpreise (wie jetzt durch den Krieg im Nahen Osten oder den USA und Iran) steigen verdient der Konzern damit natürlich auch entsprechend. Da TotalEnergies auch die Förderung und den Verkauf von Rohöl im Portfolio hat, soll der Nettogewinn sich im ersten Halbjahr 2026 verdoppelt haben. Das wären über 5 Millarden Euro zusätzlicher Gewinn.
Der Preisdeckel an den Konzerneigenen Tankstellen in Frankreis hat das Unternehmen mutmaßlich nur einen Bruchteil gekostet. Zwar noch immer mehrere 100 Millionen Euro, aber bei 5 Milliarden »Plus« kann man ja fast schon vom »Rabatt aus der Portokasse« sprechen.
Die eigentliche Frage lautet meiner Meinung nach nicht »Wie kann sich das TotalEnergies das leisten?« sondern »Wieso können sich das vermeintlich die anderen Ölmultis nicht leisten?«.
Es ist übrigens nur für mich neu gewesen als ich es im Radio gehört habe. Denn TotalEnergies macht diesen Deckel bereits seit sieben Monaten! Vom 13. März 2026 bis Juni 2026 lief die erste Phase. Der Preisdeckel galt durchgehend an allen rund 3.300 Tankstellen von TotalEnergies in Frankreich. Super E10 für maximal 1,99 Euro und Diesel für zunächst maximal 2,09 Euro, später angepasst auf 2,25 Euro.
Ich bin jedenfalls gespannt, was sich morgen an den Zapfsäulen um kurz nach 12:00 Uhr beziehungsweise um 14:00 Uhr so abspielen wird. Im Ranger habe ich noch etwa 270 km Restreichweite, bei der Tiger 800 sieht es ähnlich aus.
So. Mein Mitbewohner hat vorhin schon gejammert. Die Preise sind ihm egal, Hauptsache die feine Pastete ist im Napf, ansonsten kommt eben wieder in der Nacht die »Kralle des Napfwächters« und weckt mich. Davor gibt es jetzt aber zum Tagesausklang noch ein paar Streicheleinheiten. Bei diesem Plan sollte nun wirklich nichts schiefgehen können. 😉
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