Bremsleitung mit einem Schlag undicht... Zum Glück ging es nicht bergab

150 Nachweise erreicht – mit der BMW hin, mit dem Zafira zurück

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In den letzten Wochen konnte ich kaum mit dem Motorrad fahren. Hier und da eine eher kurze Runde, an eine Tagestour war leider nicht zu denken. Sehr frustrierend, schließlich fehlten mir nur noch 6 Nachweise für den Aufstieg zum »passknacker.li«[1].

Entweder war mir der Dienstplan nicht wohlgesonnen oder die Sonne brannte fast zwei Wochen lang ohne Unterlass auf die Straßen – was dann wie schon in den vergangenen Jahren die sogenannten »Blow Ups« auf Autobahnen zur Folge hatte. Der kurzfristig um eine Woche gekürzte Sommerurlaub wirkte sich ebenfalls nicht förderlich aus.

Heute sollte dann also endlich der Tag der Tage sein. Stahlender Sonnenschein und (leider) auch wieder recht heftige Temperaturen deutlich jenseits von 30°C. Aber diesmal wollte ich nicht in die Alpen, sondern brach in Richtung Rems-Murr-Kreis auf. Denn dort befindet sich im Jahr 2015 relativ nah zusammen gleich ein Dutzend Nachweispunkte. Über die A7 hinauf in Richtung »Zielgebiet«. Aber auf der Autobahn fahren macht nicht wirklich Laune. Weder im PKW noch auf dem Motorrad.

Am Espachweiher bei Neuler (wer kennt ihn nicht?)
Am Espachweiher bei Neuler (wer kennt ihn nicht?)

Erst recht nicht, wenn man im Bau­stellen­bereich von einem BMW X5 mit Hänger samt Jetski darauf überholt wird – obwohl man artig seine 80 km/h hinter einem LKW fährt.

Daher: Runter von der Autobahn, das Navi programmieren und den Anweisungen nach die kleinen Straßen nutzen.


Entschädigt wird man prompt mit abwechslungsreichen, fahrzeugleeren und zudem immer wieder von schattigen Passagen durch bewaldete Gebiete. Einfach Herrlich! So richtig in Bilder einfangen lässt sich das Gefühl sowieso nicht. Also muss ein Bild von der GS an einem zufällig entdeckten Weiher herhalten.

Minimalistische Streetart mit Realitätsbezug
Minimalistische Streetart mit Realitätsbezug

Die Stimmung sollte jedoch schlagartig beim sechsten Nachweispunkt gewaltig getrübt werden. Zwar ist das Bild vom etwas umgestalteten Mülleimerkasten heute erst um 22:50 Uhr entstanden, es bringt aber meine Laune gerade beim Schreiben auf den Punkt. Aber: Eins nach dem anderen. Zunächst der schöne Teil des heutigen Tages.


Schlag 12 Uhr und somit nach etwa 2,5 Stunden gemütlicher Fahrt inklusive zwei kurzer Zwischenaufhalte stehe ich am ersten planmäßigen Nachweispunkt: »Einkorn«, Luftlinie etwa 4 km von Schwäbisch Hall entfernt.

Am Nachweispunkt »Einkorn«
Am Nachweispunkt »Einkorn«
Detail am Nachweispunkt »Einkorn«
Detail am Nachweispunkt »Einkorn«


Ja, es ist Wochenende. Genauer gesagt Sonntag – und auch noch schönstes Wetter (wie bereits erwähnt). Daher werden alle Freizeitangebote gestürmt. So wenig wie auf den Straßen los war, so viel war dafür offensichtlich vor Ort los. Der Parkplatz bis fast auf den letzten Platz befüllt während die einspurige Fraktion (mehr oder weniger sinnvoll) den Platz vor der Schranke aufgefüllt hat. Passknacker war wohl niemand, zumindest ist mir keiner aufgefallen.

Liegen überall herum: Heruntergefallene Äpfel
Liegen überall herum: Heruntergefallene Äpfel

Was einem allerdings überall auffällt: Was gerade so herunterfällt. Die Äpfel sind teilweise reif, teilweise werfen sie die Bäume auch nur deshalb ab, weil es ihnen zu heiß ist. Gleiches gilt für Laub. Teilweise sieht es fast schon herbstlich aus, »Trocken­stress«[2] nennt sich dieses (mir bis vor wenigen Tagen noch unbekannte) Phänomen.


Auf einem Parkplatz stören die Äpfel wenig. Auf den schmalen Landstraßen, über welche mich mein Navi geführt hat, allerdings schon. Die plattgefahrenen Äpfel hinterlassen einen klebrig-schmierigen Fahrbahnbelag, welcher zudem auch noch Wespen anlockt.

Daher: Visier runter, weiterfahren. Dabei war jeder noch so kleine Luftzug und somit jede Sekunde mit offenem Visier eine Wohltat.

Am Nachweispunkt »Rote Steige (Michelfeld)«
Am Nachweispunkt »Rote Steige (Michelfeld)«
Detail am Nachweispunkt »Rote Steige (Michelfeld)«
Detail am Nachweispunkt »Rote Steige (Michelfeld)«


Eine knappe halbe Stunde später kann ich wieder absteigen und den Klapphelm öffnen. Die Luft steht, leider gibt es am Nachweispunkt auch keinen Schatten. Mal abgesehen von dem Schatten, welchen Motorrad und man selbst wirft.

Schnell zwei Bilder und den nächsten Wegpunkt im Navi festlegen. Da ich es bis jetzt noch immer nicht gebacken bekommen habe die RAM-Mount-Kugel[3] von der Suzuki ab- und an die BMW anzubauen, sieht das alles relativ abenteuerlich aus.

Aber es funktioniert besser als man es erahnen könnte. Aber weniger aufgrund ausgeklügelter Überlegungen vor dem Start der Tour, sondern einfach nur weil es zufällig so passt.

Die Verbindungsstange am Lenker der GS wirft einen schmalen Schatten. Dieser Schatten ist etwa so groß wie die Anzeige der nächsten Aktion wie etwa »rechts abbiegen in 700 m« oder das ich angeblich 20 m vom Nachweispunkt entfernt stehen würde.

In der Realität besser ablesbar als auf dem Bild
In der Realität besser ablesbar als auf dem Bild
Der Schatten lässt den Blick auf die Anzeige zu
Der Schatten lässt den Blick auf die Anzeige zu


Während der Fahrt ist die Information recht gut zu erkennen und in den Passagen durch Waldstücke sowieso durch den Schatten problemlos ablesbar. Trotzdem: Die Kugel muss an die BMW und dann klappt es auch wieder mit dem Garmin nüvi im Navi Case Pro M [4].

Am Nachweispunkt »Waldenburg«
Am Nachweispunkt »Waldenburg«
Detail am Nachweispunkt »Waldenburg«
Detail am Nachweispunkt »Waldenburg«


Die hausgemachten »erschwerten Navigationsbedingungen« sind also nicht wirklich welche. So konnte ich auch den Nachweispunkt »Waldenburg« problemlos erreichen. Problematischer war eher, die kontrastarme Kunst auf dem Brunnen gut einzufangen.

Glänzt in der Sonne wo es nur geht: R 1150 GS
Glänzt in der Sonne wo es nur geht: R 1150 GS
Neonhelm und gelbe Jacke – Hauptsache sichtbar
Neonhelm und gelbe Jacke – Hauptsache sichtbar


Den wenigen mutmaßlichen Touristen muss ich wohl einen erheiternd wirkenden Anblick geboten haben. Neongelber Helm, überwiegend gelbe Jacke und dazu der Tanz um das Motorrad und den Brunnen mit Kamera und einer kleinen Karte in der Hand.

Dazu noch der zerzauste Bart, welcher die Zwischenstopps mit Herunterziehen und wieder Hochziehen der Sturmhaube auch nicht unbeschadet überstanden hat.

Am Nachweispunkt »Hohenbrach«
Am Nachweispunkt »Hohenbrach«
Im Kreditkartenformat: Passknacker-Poster '15
Im Kreditkartenformat: Passknacker-Poster '15


Die nächsten Nachweispunkte waren unspektakulär aber landschaftlich schön anzufahren. Einfach wieder ein Genuss über die weiterhin leeren Straßen zu fahren. Je mehr Schatten dank Wäldern, desto angenehmer. Die Hitze nahm weiter zu, der Fahrtwind blieb neben den schattigen Passagen die einzige Möglichkeit einer zumindest subjektiv existenten Abkühlung.

Am Nachweispunkt »Karnsberg«
Am Nachweispunkt »Karnsberg«
Detail am Nachweispunkt »Karnsberg«
Detail am Nachweispunkt »Karnsberg«


Der Nachweispunkt »Karnsberg«. Der letzte Stopp vor dem 150. Nachweis für die Saison 2015. Ich bin also nur noch ein paar Kilometer vom »Passknacker.li« entfernt. Die Sonne brennt, der Inhalt im Tank neigt sich dem Ende zu.

Also fix das Navi auf die nächstgelegene Tankstelle programmiert, welche auch auf dem Weg nach Spiegelberg beziehungsweise Jux liegen sollte.

Zwischendurch Tanken – danach ging das Drama los
Zwischendurch Tanken – danach ging das Drama los
66'983 km – bis hier hin war alles okay
66'983 km – bis hier hin war alles okay


Nun sollte ich Glück im Unglück haben, denn vor und wohl auch beim Tanken war alles noch in Ordnung, danach wurde es plötzlich kritisch. Sehr kritisch!

Ich vermute inzwischen, dass die Bremsleitung vorne beim Einfedern (evtl. auch schon beim vollständigen Ausfedern) porös wurde. Ein kleiner Riss, ein kleines Loch? Zu sehen war nichts, da sich ein Bougierrohr an der mutmaßlichen Stelle mit dem Schaden befindet.

Aufgefallen ist mir auf der etwa 14 km langen Strecke nichts. Ich habe nicht bremsen müssen, selbst beim Abbiegen in Spiegelberg konnte ich die GS einfach ausrollen lassen und dann gemütlich abbiegen. Erst nach den letzten 2 km von Spiegelberg nach Jux musste ich dann wieder bremsen – um dann beim sanften Anbremsen kurz vor einer 90° Kurve feststellen zu müssen, dass der Bremshebel sofort am Gummi anliegt. Geistesgegenwertiges Pumpen sorgte noch kurz für etwas Bremswirkung, den Rest musste die Bremse am Hinterrad erledigen.

Munterte auch nicht mehr auf: Rabatt bei Shell
Munterte auch nicht mehr auf: Rabatt bei Shell
Dampf: Bremsflüssigkeit, welche auf den Krümmer tropft
Dampf: Bremsflüssigkeit, welche auf den Krümmer tropft


Ich lasse die GS ausrollen, stehe aber reichlich ungünstig. Nochmaliges Pumpen führt dazu, dass ich wieder Bremswirkung habe. Vorsichtig wende ich die Maschine und schleiche die letzten 50 Meter bis zum Nachweispunkt. Dort abgestellt umgeben mich sofort Qualm und beißender Gestank.

Den Helm abgesetzt und zur Diagnose die Maschine umrundet. Es qualmt vom linken Krümmer, denn Bremsflüssigkeit läuft über den Längslenker vom Telelever und tropft auf das heiße Metall. Na prima. Somit ist die Tagestour erst einmal beendet. Ich stelle die Maschine auf den Hauptständer damit die Flüssigkeit »mittig abläuft« und nicht weiter auf den heißen Krümmer tropft.

Am Nachweispunkt »Jux«
Am Nachweispunkt »Jux«
Detail am Nachweispunkt »Jux«
Detail am Nachweispunkt »Jux«


On the bright side: Ich bin jetzt »Passknacker.li«. 150 dokumentierte Nachweis­punkte und man hat diesen »Rang« oder »Titel« erreicht. Somit habe ich mein vorsichtig anvisiertes Jahresziel von 75 Nachweisen verdoppelt.

Tagesaktueller Zwischenstand (30. August 2015)
aktueller Stand (150 dokumentierte Wegpunkte)
persönliches Ziel für 2015 (75 dokumentierte Wegpunkte)
»Passknacker.li« (150 dokumentierte Wegpunkte)

Allerdings ist dies nur ein schwacher Trost dafür, dass die BMW nun erst mal stand beziehungsweise stehen bleiben musste.

Eigentlich standen noch ein paar weitere Punkte für Passknacker-Nachweise in der Region auf meiner Liste, aber das war nun kein Thema mehr. Dafür konnte ich mich auf dem Dorfplatz mit einer viel wichtigeren Frage beschäftigen: »Wo bitteschön bekommt hier im Ort mein Mobiltelefon Empfang?«.

»Warum gibt's hier kein Netz?«
»Warum gibt's hier kein Netz?«
Mobiltelefon und ADAC-Mitgliedskarte
Mobiltelefon und ADAC-Mitgliedskarte


Mit abgesetztem Helm und der Sturmhaube als Kopftuch für das zerzauste Haupthaar begann der nächste Tanz um Motorrad und Dorfbrunnen. 10 Meter in die eine Richtung, dann wieder 5 Meter zurück. Irgendwann war dann endlich der Empfang ausreichend und ich konnte den ADAC anrufen.

Mein »Abschleppdienstbeschwörungstanz« wurde von einigen Personen von der Außenbestuhlung des Gasthof Löwen in Jux beobachtet. Was sie darüber gedacht haben weiß ich nicht, sie haben es mir nicht gesagt. Aber mit hochrotem Kopf (wegen der Temperaturen, nicht wegen dem Gespräch mit dem ADAC-Mitarbeiter) gesellte ich mich dann einfach dazu und wurde freundlich aufgenommen.

Manche Sätze hat sicherlich schon jeder mit dem Motorrad irgendwo gestrandete gehört: »Jaja, ich hatte auch mal eine BMW, die hatte auch so ihre Probleme« oder »Früher bin ich auch Motorrad gefahren, da konnte man bei einer Panne nicht einfach den ADAC rufen«. Wenn dann neue Gäste hinzukamen wurde mein Leid kurz den anderen geschildert und ich war froh, wenn das Thema gewechselt werden konnte.

Bremsflüssigkeitsaufsauger Modell »Sanwald«
Bremsflüssigkeitsaufsauger Modell »Sanwald«
Überall verteilt: Bremsflüssigkeit
Überall verteilt: Bremsflüssigkeit


Vom Wirt konnte ich einen Bierfilz organisieren. Die Bremsflüssigkeit tropfte noch immer oben (!) aus dem Bougierrohr auf den Längslenker des Telelever. Der Bierfilz konnte zumindest nun die Tropfen aufsaugen auf das sie nicht weiter bis zum Krümmer laufen.

Auch auf dem Kunststoff befindet sie sich
Auch auf dem Kunststoff befindet sie sich

Bei genauerer Begutachtung, ich hatte inzwischen das erste Spezi intus und die Jacke abgelegt, konnte ich die großflächig verteilte Bremsflüssigkeit bewundern. Zahnriemenabdeckung, Spritzschutz vom Vorderrad, Längslenker und weitere Teile waren offensichtlich großzügig eingenebelt worden.


Mit etwas Wasser und Papiertüchern versuchte ich zumindest einen Teil der Flüssigkeit abzuwaschen beziehungsweise aufzunehmen – recht erfolglos.

Der Defekt scheint jedenfalls irgendwo im Bougierrohr gelegen zu haben. Nach unten lief keine Flüssigkeit heraus, das hätte man eigentlich annehmen sollen? Die Vermutung daher: Irgendwo versteckt im Rohr hat sich die Leitung aufgebläht. Es hat sich also so etwas wie ein Aneurysma gebildet – und dies ist dann auch noch aufgeplatzt oder zumindest porös geworden. Die Bremsflüssigkeit konnte so nach oben aufsteigen, nach unten hat die aufgeblähte Leitung den Abfluss verhindert. So zumindest meine Theorie.

Bis der Abtransport dann tatsächlich stattfinden sollte, sollten noch einige Stunden vergehen. Ich konnte mich im Schatten abkühlen, mehrere Spezi genießen und sah so manchen Gast kommen und gehen. Erst nach knapp vier Stunden war die R 1150 GS dann auf einem Abschleppwagen verzurrt. Der erste Abschlepper kam, sah das Problem und ging wieder seines Weges. Er konnte kein Motorrad auf seinen Abschlepper aufnehmen und sichern.

Anscheinend wollte man mir nicht so recht glauben und hatte eben mal jemanden geschickt, der eventuell das Problem vor Ort beheben könnte. Tja... Da wohl selbst der beste »gelbe Engel« nicht die Bremsleitung aller gängigen Motorräder (plus ein paar Exoten) mit im Gepäck hat, konnte das nicht klappen. Leider.

Gluthitze auf der Autobahn, etliche PKW beziehungsweise die Kühlsysteme gaben im Stau auf – der Fahrer des ersten Abschleppfahrzeugs gab mir einen kleinen Einblick in die tagesaktuelle Situation für die Pannenhelfer. Keine ruhige Minute, die Warteliste mit abzuschleppenden Fahrzeugen beziehungsweise Fahrzeugen mit Pannenhelferbedarf war riesig.

Der Abtransport beginnt
Der Abtransport beginnt

So wurde sie dann gegen um 18:40 Uhr abtransportiert. Die Spann­gurte am Lenker werden normalerweise für PKW genutzt. Mit ihnen wird durch die Alufelgen hindurch verzurrt – entsprechend dreckig waren sie. Ein spezieller Spanngurt für Motorräder war vorhanden, scheiterte jedoch an den Handschützern der GS.


Das Vorderrad wurde in einer Wippe fixiert, die BMW stand auf dem Hauptständer. Diese Art der Befestigung stieß auf wenig Gegenliebe in den Foren, in welchen ich die Bilder bereits vor dem Verfassen des heutigen Beitrags schon veröffentlicht hatte.

Die sich wiederholende Aussage: Vorne hätte man in der Nähe der Gabel und nicht außen an den Griffen verzurren müssen. Weiterhin nicht auf dem Hauptständer stehend, sondern »nur« auf den Rädern mit dem Vorderrad in der Wippe bzw. »Zange«.

Stabilität hätte das Motorrad dann über die »einzig richtige Variante« erhalten: Zusätzlich zwei weitere Gurte, welche das Heck an Ort und stelle halten.

Die (kritisierte) Abspannvariante
Die (kritisierte) Abspannvariante
Klemmvorrichtung für das Vorderrad
Klemmvorrichtung für das Vorderrad


Eine der möglichen Gefahren bei der mit meiner R 1150 GS praktizierten Befestigung: Das Heck ist nicht gesichert bzw. wird nur vom Hauptständer »an seinem Platz gehalten«. Der Lenker ist fest, aber der Rest der Maschine kann sich mit dem Lenkkopf als Drehpunkt munter bewegen. Sprich: Während das Vorderrad fest steht tanzt das Heck womöglich herum.

Eine sehr ausführliche Beschreibung wo, wie und warum man ein Motorrad verzurren soll, ist auf powerboxer.de[5] zu finden.

Während der Fahrt hatte mir der Fahrer erzählt, dass »das absolute Chaos« auf der Autobahn los sei. Extrem viele »Liegenbleiber« in Form von gestrandeten Urlaubsrückreisenden. Stau plus Hitze plus mutmaßlich nicht ausreichend gewartete Fahrzeuge führen dann zwangsläufig zu einem Ausfall des Fahrzeugs. Daher auch die lange Wartezeit bis ich sozusagen im »romantischen Nirgendwo« abgeholt werden konnte.

Gestrandet in Wendlingen am Neckar
Gestrandet in Wendlingen am Neckar

Der Transport der so verzurrten Maschine endete schließlich in Wendlingen bei der »Brauneisen Motorradwelt« auf dem Hof. Um 21:30 Uhr war der Fahrer samt Abschleppwagen schon wieder weg, ich saß mit Helm, Koffer, Motorradkluft herum und wartete artig auf den Rückruf vom ADAC, denn nun war ich »gestrandet«.


Während sich meine silberne R 1150 GS zwischen den anderen silbernen BMW schön eingereiht hatte, hatte ich bereits den ersten Rückruf erhalten, konnte diesen aber nicht entgegennehmen da ich gerade noch mit dem Faher des Abschleppwagens die Bürokratie befriedigen musste: Unterschrift hier, Kontrolle der Daten dort – für mich war die Reise im Abschleppwagen mit dem Abladen der Maschine beendet.

Brauneisen Motorradwelt, Wendlingen am Neckar
Brauneisen Motorradwelt, Wendlingen am Neckar
In Reih und Glied
In Reih und Glied


Nach einigen Minuten erfolgte dann zum Glück der nächste Rückruf. Ich müsse irgendwie von Wendlingen nach Köngen kommen. Zu Fuß: 3 Kilometer – das habe ich aber erst daheim am PC herausgefunden. Die ca. 40 Minuten zu Fuß blieben mir erspart. Dank Plus Mitgliedschaft würden die Kosten für ein Taxi bis zu einem Betrag von 10 Euro erstattet werden. Daher solle ich einfach ein Taxi rufen und damit zum Partner des ADAC in Köngen (Gross) fahren um dort einen kostenfreien Mietwagen nehmen zu dürfen.

Jetzt hatte ich allerdings zwei Probleme: Wo bekomme ich Geld her? Welche Rufnummer muss ich ins Mobiltelefon eintippen damit ich hier in Wendlingen ein Taxi bekomme?

Das erste Problem ließ sich mit einem Geldautomaten der Post lösen. Dank Karte der Comdirect ist für mich dort das Abheben von Geld kostenfrei. Alternativ hätte ich auch meine Visa Karte von ING DiBa[6] nehmen können. Hätte ebenfalls nichts gekostet.

Bargeld für Taxi und Mietwagen holen
Bargeld für Taxi und Mietwagen holen
Postbank in Wendlingen am Neckar
Postbank in Wendlingen am Neckar


Bis ich am Geldautomaten angekommen war, musste ich mich jedoch durch ein Fest hindurchzwängen. Wir erinnern uns: Neongelber Helm, Motorradkoffer, zerzauste Haare und ebenso zerzauster Bart und alles schön ergänzt mit einer vollständigen Motorradkluft. Nein, ich bin natürlich überhaupt nicht aufgefallen.

Das Fest war dann auch von Vorteil für mich. Eine kleine Gruppe offensichtlich »leicht angeheiterter« Peronen konnte mir mit der Rufnummer der lokal ansässigen Taxizentrale weiterhelfen. Fall unerwartet jemand per Google hier auf der Seite gelandet ist (und auch noch bis hier her gelesen hat): (07024) 501501 für T&T Taxi Team GmbH, Wendlingen am Neckar.

xxxx
Wendlingen am Neckar: Warten auf's Taxi

Der nette Mensch am anderen Ende der Leitung hatte mir mir auch seinen Spaß. Nach der kurzen Schilderung wo ich stehe (Rathaus Wendlingen am Neckar) fügte ich hinzu »Ich bin leicht zu erkennen - bin der einzige Motorradfahrer weit und breit«.

Kurze Pause bei meinem Gesprächsparter.


Dann fragt er etwas ungläubig nach: »Motorradfahrer?«. Ja, Motorradfahrer. Nachdem ich kurz die Fakten klargestellt habe – »Gelber Helm, schwarzer Koffer, schicke Klamotten – jedoch kein Motorrad« – musste jemand offensichtlich sein Lachen unterdrücken.

»Ist unterwegs, sollte in drei bis fünf Minuten da sein. Ich sage ihm er soll nach dem Motoradfahrer schauen...«

Kalt ist es nicht wirklich. Noch immer sind es wohl so 35°C – auch wenn die Sonne inzwischen schon untergegangen ist. Dank der Motorradklamotten, dem Koffer in der einen und dem Helm in der anderen Hand ist es mir daher deutlich zu warm. Trotzdem geht mir irgendwie der Text von DÖF durch die Hirnwindungen:

I steh in der Költ'n und woat auf a Taxi, oba es kummt net.
(Kummt net, kummt net)
I woat auf des Brummen von am Mercedes Diesel, oba es brummt net
(Brummt net, brummt net)

»DÖF« (Deutsch-Österreichisches Feingefühl) und der Song »Taxi« sind gerade nicht parat? Macht nichts. Die älteren unter uns werden uns an die frühen 1980er erinnern als das Ding – zumindest in meinen Erinnerungen – permanent im Radio gelaufen ist.

Im Gegensatz zum Verlauf im Lied rollte bei mir tatsächlich nach etwa drei Minuten ein Mercedes Diesel in Form eines T-Modells an. Viel Platz für den einsamen Koffer im Heck, der Helm kommt mit nach vorne zu mir auf den Beifahrersitz.

Nachdem klar ist wohin die Reise gehen soll ist schnell ein gemeinsames Thema gefunden. Der Taxifahrer klagt mir sein Leid über den unzuverlässigen Mercedes. Noch nicht mal 30'000 km auf der Uhr und schon der zweite Turbolader drin. Privat fährt er Volvo. Die schaffen auch jenseits von 300'000 km ohne sich dagegen großartig zu sträuben.

Die Fahrt ist kurz, der Betrag passt genau: 10 Euro wechseln den Besitzer und ich erhalte eine Quittung, welche ich dann bei der nächsten Geschäftsstelle einreichen solle. Im Gebäude selbst ist man schon informiert, weiß das ich anreise. Allerdings solle ich mich ein paar Minuten gedulden, es sei gerade »sehr viel losx.

Ich nutze die Pause, setze mich hin. Es ist inzwischen schon nach 21 Uhr. Ich schäle mich aus der Jacke, lege die Protektorenweste ab. Draußen waren es noch immer 32°C laut einer der Anzeigetafeln, welche ich vom Taxi aus gesehen habe. Kein Wunder also, dass die getrunkenen Spezi vermutlich schon wieder ausgeschwitzt im edlen Textil hängen. Bäh!

Die Unterlagen vom »ADAC Clubmobil« (Zafira)
Die Unterlagen vom »ADAC Clubmobil« (Zafira)
Erst 6'699 km hat der Opel Zafira
Erst 6'699 km hat der Opel Zafira


Dann geht aber alles recht flott. Fahrzeug steht unten, die Kosten übernimmt der ADAC. Ob ich noch eine Zusatzversicherung abschließen will? Nach kurzem Überlegen und meiner aktuellen Glückssträhne sage ich »Ja«. Das kostet mich dann 12,90 Euro, welche ich per Kartenzahlung bezahlen kann.

Als Mietwagen erhalte ich einen Opel Zafira mit lediglich 6'699 km auf der Uhr. Ich hätte auch einen völlig abgerockten Fiat Panda mit einem nassen Hund auf dem Beifahrersitz als Fahrzeug akzeptiert, Hauptsache es geht nach Hause.

21:36 Uhr, 30°C... Danke für die Info!
21:36 Uhr, 30°C... Danke für die Info!
Serdar Ortaç begleitet mich musikalisch
Serdar Ortaç begleitet mich musikalisch


Hilfe, so viele Knöpfe und Bedienelemente. Dann auch noch ein äußerst mitteilungsbedürftiges Display, mit welchem ich jedoch nichts anzufangen weiß. Auf die Autobahn finde ich auch alleine, keine Ahnung wie das Navi funktioniert. Brauche ich nicht, geht auch so. Wo ist eigentlich der Lichtschalter? Ah, okay. Dann kann es ja losgehen. Inzwischen hat es sich ja auch abgekühlt. Kühle 30°C um 21:35 Uhr teilt mir das Display mit. Na prima. Danke für die Info, mir wird gleich wieder warm ums Herz. Oh, halt... Das ist nur noch einmal ein Schweißausbruch, vielleicht eine Hitzewallung?

Serdar Ortaç. Kennst du nicht? Macht nichts. Ich bis zum Einschalten des Radios im Leih-Zafira auch nicht. Blöderweise kam ich erst auf der Autobahn auf die Idee das Radio einzuschalten. Nun ja... Es ist fast 22 Uhr, es ist eine CD im Laufwerk und das Schaltersortiment Modell »Raumschiff Enterprise« wollte ich nicht blind bedienen oder gar bei 130 km/h den Blick von der seltsamerweise noch immer gut befahrenen Autobahn abwenden. Aber ohne Musik geht auch nicht! So fuhr ich dann zu den für meine Ohren fremden Klängen von Serdar Ortaç über die A8 in Richtung Ulm.

Als ich von der Autobahn wieder runter war konnte ich an der ersten roten Ampel auf die Suche gehen. Schließlich habe ich dann auch den »Eject« Knopf gefunden. Ist unten rechts. Ganz unten rechts. Für die Zukunft weiß ich das nun also. Die CD habe ich einmal komplett durchhören können. War auch mal ein Erlebnis.

»ADAC Clubmobil«
»ADAC Clubmobil«
Da steht das Clubmobil am Straßenrand
Da steht das Clubmobil am Straßenrand


Es ist kurz vor 23 Uhr als ich schließlich daheim ankomme. Noch schnell zwei Bilder von meinem »ADAC Club Mobil« gemacht und dann endlich raus aus den Motorradklamotten. Höchste Zeit für eine Dusche und anschließend noch etwas essen und ab ins Bett. Oder zuerst essen und dann duschen? Die Entscheidung fiel zugunsten des Essens aus.

Natürlich habe ich den Bericht hier nicht gleich im Anschluss an Essen und Duschen geschrieben, es sind noch ein paar Tage vergangen. Das hat auch der aufmerksame Leser von meinem Blog sicherlich bemerkt.

Mit etwas Distanz zum Vorfall kann ich jedenfalls zwei Dinge betonen. Nummer 1: Traut keinen Gummileitungen – auch wenn der Verkäufer euch gut zuredet. Tauscht die Teile nach dem Kauf einer älteren Maschine umgehend aus, im Idealfall gleich auf Stahlflexleitungen wechseln. Nummer 2: Eine ADAC-Mitgliedschaft ist ihr Geld wert. Jahrelang habe ich nur eingezahlt und musste keine Leistung in Anspruch nehmen. Da fragt man sich zwischendurch schon wieso man überhaupt Beiträge zahlt.

Aber wenn man dann gestrandet ist, das Gefährt zu einer Werkstatt gebracht wird und man mit einem Mietwagen nach Hause fahren kann, dann ist man dankbar und zufrieden. Ich bin es jedenfalls.

Außerdem kann man nette Leute kennenlernen. Der Taxifahrer von Wendlingen nach Köngen war beispielsweise sehr freundlich. Mit ihm konnte ich mich dann auf der kurzen Fahrt über die Probleme der zweispurigen Fahrzeuge unterhalten. »Mercedes ist nicht mehr das was es mal war. Keine 40'000 km und schon der zweite Turbolader!«. Er schwärmt von seinem alten Volvo, welchen er für einen Mercedes weggegeben hat. Privat ist er nun wieder reumütig zu Volvo zurückgekehrt. Beruflich fährt er den Mercedes mit dem gelben Leuchtding auf dem Dach. Aber der scheint ein Problem mit Turboladern zu haben.

Abschließend ein Blick auf die Kosten für die »Rettungsaktion« durch den ADAC:

10 Euro für die Fahrt im Taxi (wird vollständig vom ADAC zurück erstattet) und 12,90 Euro für die Versicherung vom Mietwagen. Die Zusatzversicherung ist freiwillig, aber da ich gerade so viel Glück mit Kraftfahrzeugen habe und mein Golf V vor kurzem auch von irgendeinem netten Zeitgenossen zwei saubere Kratzer in den Kotflügel gezogen bekommen hat: Lieber die 12,90 Euro zahlen und dafür unbeschwert parken.

Ja, der Sprit für den Leih-Zafira kommt noch dazu, aber das war es dann auch schon. So gesehen waren die 10 Euro für die Spezi im Gasthaus für meinen Geldbeutel teurer als der Transport und der Mietwagen vom ADAC. Nochmals: Ich bin froh die ADAC Plus Mitgliedschaft zu haben.



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