Werktags sind die Strecken viel, viel entspannter zu fahren

Riedbergstraße ohne Passschild, Halligalli auf dem Pfänder

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Frisches Öl im Motor, ebenso neue Zündkerzen – höchste Zeit das Ganze mal wieder zu bewegen anstatt nur zu schrauben.

Letztes Jahr konnte ich häufig meine Tagestouren auf Werktage legen. Das Resultat: Ziemlich freie Straßen, wenig andere Motorradfahrer und kaum Freizeitsportler mit ihren Fahrrädern. Tja, heute war Sonntag und anscheinend war bei dem schönen Wetter jeder unterwegs der nur unterwegs sein konnte.

Angefangen hat es schon auf der Autobahn. Die erste Stunde Autobahn brachte mich ziemlich genau 60 km weit. Baustellen, Stau, und ungeduldige Spurwechsler. Die Sommerferien haben in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland begonnen. Von den Kennzeichen her haben sich dann alle auf der A7 in Richtung Süden treffen wollen?

Obermaiselstein: Hinweistafel zum »Hirschsprung«
Obermaiselstein: Hinweistafel zum »Hirschsprung«
Am Nachweispunkt »Hirschsprung«
Am Nachweispunkt »Hirschsprung«


Deutlich später als eigentlich geplant aber trotzdem gut gelaunt konnte ich dann bei Obermaiselstein den ersten Nachweis festhalten. Zwar standen zwei Radfahrer und ein Hund ein wenig im Weg, aber man kann sich ja im ersten Gang an Mensch und Tier vorbeischleichen.

Das ich anschließend mit einem Plastikkärtchen in der Hand auf der Straße umherlaufe und Bilder mache, wurde von den dreien zwar seltsam beäugt aber dennoch kommentarlos hingenommen – später noch mehr zum Eindruck, den ich bei anderen zu hinterlassen scheine.

Hier stand sie schon im Mai 2015 einmal
Hier stand sie schon im Mai 2015 einmal
Riedbergpass: Motorradmassen an der Baustelle
Riedbergpass: Motorradmassen an der Baustelle


Zu Obermaiselstein hat die BMW R 1150 GS eine besondere Beziehung, denn im Mai 2015 habe ich sie von hier abgeholt. Inzwischen haben sich ein paar Details verändert, dank der Schrammen im Tank und auf den Kühlrippen hätte sie der Vorbesitzer aber sicherlich noch immer erkannt. Mal ganz abgesehen von der ADV-Front an einer normalen GS.

Direkt an der Riedbergstraße stand damals die R 1150 GS, welche ich letztes Jahr noch mit meiner GSF 1200 befahren bin. Inzwischen sind die Bauarbeiten weiter vorangeschritten. Dieses Jahr wurde die Passhöhe weiter verändert, die Bäume neben dem (ehemaligen) Standort vom Passschild sind komplett weg und man muss nun eine Schotterpiste mit Ampelschaltung nutzen. Der kurze Tunnel am Fuß vom Ostaufstieg ist noch immer gesperrt.

Am Nachweispunkt »Riedbergpass«
Am Nachweispunkt »Riedbergpass«
Detail am Nachweispunkt »Riedbergpass«
Detail am Nachweispunkt »Riedbergpass«


Dank der Ampelschaltung sammeln sich abwechselnd auf beiden Seiten an einem sonnigen Sonntag wie heute nicht gerade wenige Motorräder und PKW an, welche dann im Pulk losgelassen werden. Ich hatte das zweifelhafte Vergnügen ganz vorne an der Ampel stehen zu dürfen.

Am Ende der Schotterpiste stand früher mal das Passschild. Heute habe ich keins gesehen. Vermutlich ist es wegen der Bauarbeiten entfernt worden. Somit konnte es nicht für den Nachweis dienen.

Für den Passknackernachweis musste daher die Abzweigung zwischen Balder­schwang und Grasgehren herhalten. Dort zu Fotograpixeln war einigermaßen sicher, die meisten sind direkt nach Balderschwang abgebogen. Nur wenige hatten sich verirrt und kamen dann von Grasgehren wieder herunter.

Zwischenstopp in (bzw. vor) Balderschwang
Zwischenstopp in (bzw. vor) Balderschwang
Einer von vielen, vielen Motorradfahrern
Einer von vielen, vielen Motorradfahrern


Deutlich entspannter war da der Zwischenstopp direkt am Ortsschild von Balderschwang. Die Wasserflasche aus dem elastischen Gepäcknetz hervorziehen, den aus beiden Richtungen kommenden Motorradgruppen zuschauen und nebenbei auch noch die Aufmerksamkeit von zwei Rindviechern auf sich ziehen. Na, das ist doch was, oder?

»Atom Heart Mother«? Naja, nicht ganz.
»Atom Heart Mother«? Naja, nicht ganz.
Interessiert war man jedenfalls an meiner Person
Interessiert war man jedenfalls an meiner Person


Spontan habe ich beschlossen daheim mal wieder die alten Sachen von Pink Floyd abzuspielen. Warum? Kann man anhand vom linken der beiden Rindviecher-Bilder erkennen. Wer das nicht versteht sollte sich die Cover von alten Pink Floyd Alben anschauen und diese Lücke im Allgemeinwissen für immer schließen.

Nicht nur auf den Straßen ist viel los. Der rechten Fuß als Dankeschön habe ich von Teilen einer Motorradgruppe zwischen Balderschwang und Sulzberg gesehen. Artig habe ich sie alle vorbeiziehen lassen, mit ausnutzen einer günstig platzierten Bucht einer Bushaltestelle. So langsam war ich aber anscheinend doch nicht unterwegs, ich konnte anschließend mit nahezu gleichbleibendem Abstand hinterherfahren – bis mich mein Navi über Seitenstraßen in Richtung Sulzberg (das in Österreich) umgeleitet hat.

Am Nachweispunkt »Sulzberg (Vorarlberg)«
Am Nachweispunkt »Sulzberg (Vorarlberg)«
Am unteren Parkplatz war alles frei
Am unteren Parkplatz war alles frei


In Sulzberg das schon erwartete Bild: Die Fläche am Aussichtspunkt oben war nahezu komplett mit Motorrädern belegt. Weiter unten am Parkplatz für Reisebusse: Gähnende Leere. Also habe ich dort den nächsten Zwischenstopp in Verbindung mit dem Nachweisbild eingelegt.

Gegenüber des Gebäudes mit dem Schriftzug »Sulzberger Käse Rebellen« ist die Aussicht auch nicht schlecht, man sieht jedoch weniger »Hügel« und hat dafür (fast) freie Sicht von Nordwest bis Nordost über das Allgäu.

Bei den »Sulzberger Käse Rebellen«
Bei den »Sulzberger Käse Rebellen«
Weiter in Richtung Oberreute (Deutschland)
Weiter in Richtung Oberreute (Deutschland)


Weiter beziehungsweise zurück nach Deutschland, Fahrtrichtung Oberreute. Von dort aus kommt man über die B308 ans nächste Nachweisziel: »Paradies«.

Wer die B308 weiterfährt, landet in Immenstadt im Allgäu und könnte dann via Kempten – links vorbei am Sulzbach in Deutschland – und A7 wieder in Richtung Norden fahren. Für heute war ich aber noch nicht mit dem Pässeknacken fertig, daher war dies für mich keine Option.

Detail am Nachweispunkt »Paradies«
Detail am Nachweispunkt »Paradies«
Am Nachweispunkt »Paradies«
Am Nachweispunkt »Paradies«


Mich führte meine heutigen Tagesplanung zunächst weiter nach Lindenberg im Allgäu beziehungsweise zu den um Lindenberg verteilten drei Nachweispunkten »Hahnschenkel«, »Rieder Höhe« und »Ratzenberg«.

Ein deutlicher Unterschied: Die Straßen dort waren nahezu leergefegt. Kaum PKW und nur vier, fünf Motorräder – zuzüglich meiner BMW.

Am Nachweispunkt »Hahnschenkel«
Am Nachweispunkt »Hahnschenkel«
Wiesen in sattem Grün, weiß-blauer Himmel
Wiesen in sattem Grün, weiß-blauer Himmel


Auch beziehungsweise gerade am Parkplatz und Nachweispunkt »Ratzenberg«: Man hätte auch auf der Straße wenden können, so wenige Fahrzeuge waren unterwegs. Das sollte man jedoch nicht tun, wie ich prompt als Zuschauer feststellen durfte.

Während ich wieder mal meinen Spaziergang mit Smartphone und Kärtchen in der Hand hingelegt habe, sollte sich aber zeigen wie gefährlich diese trügerische Ruhe auf den Straßen werden kann. Ein Fahrzeug fuhr entgegen der Fahrtrichtung auf den Parkplatz auf und stellte sich dann – aus Sicht der Fahrzeugführerin – in Fahrtrichtung rechts hin. Tja... Das ist blöderweise bei einem Parkplatz, welcher für die Gegenfahrbahn angelegt wurde, die falsche Seite um sein Auto abzustellen.

Zwischen meiner BMW und dem falsch abgestellten Kleinwagen zwängten sich nun zwei Fahrzeuge hindurch, welche den Parkplatz korrekt anfahren wollten. Ich saß inzwischen schon wieder auf der Maschine und zog mir meine Handschuhe an.

Reifen quietschen, eine Hupe wurde energisch und ausdauernd betätigt. Was war passiert? Der falsch auf den Parkplatz aufgefahrene Kleinwagen wurde von der Fahrzeugführerin wieder auf die Straße gesteuert – ohne den Verkehr beobachtet zu haben. Mit Vollgas (und quietschenden Reifen) wollte man nun wohl schnellst­möglich wegkommen und hatte dabei den Verkehr übersehen oder unterschätzt... Wenn's ein Motorrad gewesen wäre was übersehen wurde... Au Backe... So gab's dank ABS nur Hupen und wildes Gestikulieren aus dem anderen Fahrzeug heraus.

Am Nachweispunkt »Rieder Höhe«
Am Nachweispunkt »Rieder Höhe«
Blick in Richtung Süden (wo weitere Ziele lagen)
Blick in Richtung Süden (wo weitere Ziele lagen)


Eigentlich so wenig los und trotzdem könnte schnell ein Krankenhausaufenthalt oder zumindest eine Diskussion mit der Versicherung anstehen. Ich fahre den Nachweispunkt von Osten her kommend an, folge der Straße bis zur ein paar hundert Meter entfernten Kreuzung und wende dort. Das hätte die Dame im Kleinwagen wohl auch besser tun sollen?

Zum Nachweispunkt »Ratzenberg« fahre ich gemütlich weiter. Hoffe das mir keine Kleinwagen auf meiner Spur begegnen und das der Schotterparkplatz seit dem letzten Jahr nicht schlechter geworden ist.

Zumindest Kleinwagen kamen mir nicht entgegen, der Schotterparkplatz ist noch immer suboptimal für schwere Motorräder.

Am Nachweispunkt »Ratzenberg«
Am Nachweispunkt »Ratzenberg«
Detail am Nachweispunkt »Ratzenberg«
Detail am Nachweispunkt »Ratzenberg«


Die Maschine stand zwar stabil, aber sie wieder in die aufrechte Position zu bekommen war dann doch ein klein wenig schweißtreibend weil es nicht gleich beim ersten Anlauf geklappt hat. Die Sohlen meiner Daytona sind fast profillos, da findet man auf dem Schotter nicht wirklich Halt.

Mangelndes Können? Schlechtes Schuhwerk? Zu wenig ausgeprägte körperliche Fitness? Ich glaube es kam einfach alles zusammen was nicht zusammen kommen sollte.

Am Nachweispunkt »Möggers-Weienried«
Am Nachweispunkt »Möggers-Weienried«

Vor dem Stopp am nächsten Nachweispunkt »Möggers-Weienried« vollende ich einen Hattrick: Drei Jahre in Folge auf der Tour an der gleichen Bank Geld abheben.

Das Schönste an Möggers ist nicht etwa die architektonisch beeindruckende Gemeinde­verwaltung welche als Nachweis dient.


Warum ich gerne diese Strecke zum Pfänder fahre? Wegen dem sich ein paar wenige Kilometer weiter bietende Ausblick über den Bodensee. Der Blick von Osten nach Westen über den Bodensee: Am linken Rand sind Gäbris und Fänerenspitz zu erahnen, im rechten Drittel ist noch ein Teil von Lindau am Bodenseeufer zu sehen.

Bodensee-Panorama vom Pfänder aus
Bodensee-Panorama vom Pfänder aus

Auf dem Bild wirkt alles ruhig und friedlich? Das Bild trügt nicht – zumindest auf diesem Streckenabschnitt. Je näher ich dem Pfänder und dem Nachweispunkt komme, desto stärker wird der Verkehr. Radfahrer, Wanderer und unzählige PKW wollen alle gleichzeitig die nicht wirklich autobahnartig ausgebauten Wege befahren.

Spätestens als mir ein deutlich umgebauter 911er entgegenkommt (gefühlt nur noch halb so hoch, dafür doppelt so breit wie im Original) ist es mit dem Spaß vorbei. Was wollt ihr mit solchen Fahrzeugen dort oben wenn ihr nicht durch die Kurven fahren könnt (oder wollt)? Dort, wo ein Schlepper mit Ladewagen durchkommt bleibt ihr stehen weil es »zu knapp« mit mir und meiner BMW werden könnte?

Am Nachweispunkt »Moosegg / Pfänder«
Am Nachweispunkt »Moosegg / Pfänder«
Am Nachweispunkt »Farnach«
Am Nachweispunkt »Farnach«


Am Nachweispunkt erkläre ich einem rüstigen Trupp von Wanderern wieso ich mehrfach mein Motorrad gerade dort fotografieren will wo eigentlich eine Bushaltestelle ist.

Von der Idee der »Passknacker«-Schnitzeljagd sind sie teilweise begeistert, denn »so etwas hätte es früher geben sollen«! Dann wäre man mit NSU Quickly dort hoch gefahren. Dem kann ich nur zustimmen, denn so eine NSU Quickly nimmt in Kurven auch deutlich weniger Platz weg als ein verbreiterter 911er.

Den Pfänder hinunter gibt es noch mal eine Prise vom im Titel benannten »Halligalli«: Vom topmodernen SUV (im Abstand von mindestens 1 Meter zum vermeintlichen Abgrund gesteuert) bis zum Oldtimer kommen mir auf dem Weg hinunter zum Bodensee dutzende Fahrzeuge entgegen. Teilweise Touristen wie man zweifelsohne am Kennzeichen erkennen kann. Diese sind auch jene, welche eher die Mitte der nicht allzu breiten Straße wählen. Teilweise muss ich mit der BMW anhalten da ich zu wenig Platz zwischen Straßenrand und entgegenkommendem Fahrzeug habe.

Weiter durch Bregenz und den dort scheinbar unvermeidlichen Stau hindurch und hinauf in Richtung Vorderer Bregenzerwald. Der Stau in Bregenz ist fast schon erholsam im Vergleich zur Abfahrt vom Pfänder hinunter. Immerhin habe ich eine komplette Spur für mich alleine.

Am Nachweispunkt »Farnach« bekomme ich inzwischen langsam ein schlechtes Gewissen. Die Schule ist inzwischen ein Wohnhaus und ich will ja nicht unbedingt die Terrasse von mir fremden Leuten fotograpixeln. Also zweckdienlich die Terrasse hinter der BMW versteckt so und den Bildernachweis erbracht.

Am Nachweispunkt »Oberbildstein«
Am Nachweispunkt »Oberbildstein«
Detailaufnahme am Nachweispunkt »Oberbildstein«
Detailaufnahme am Nachweispunkt »Oberbildstein«


Mir geht es bei vielen Nachweispunkten so, dass ich sie im nächsten Jahr fast ohne hilfe vom Navigationsgerät wiederfinden kann sobald ich einigermaßen in der Nähe bin. Den Nachweispunkt »Oberbildstein« hätte ich beim ersten Mal fast nicht gefunden, dieses Jahr ist er absolut kein Problem mehr.

Auch hier neugierige Wandersleut', welche von meinem »Tanz mit der Plastikkarte« zum Nachfragen animiert werden. Was ich da genau machen würde, wieso ich das Motorrad gerade dort hinstelle und nicht irgendwo »wo es besser aussehen würde«. Ja, der Nachweis muss eben mit Motorrad erbracht werden. Das sind die Spielregeln.

Am Nachweispunkt »Alberschwende«
Am Nachweispunkt »Alberschwende«
Detailaufnahme am Nachweispunkt »Alberschwende«
Detailaufnahme am Nachweispunkt »Alberschwende«


Im Vergleich zum Pfänder sind die diversen nicht wirklich breiteren Straßen zwischen Farnach, Oberbildstein, Fischbach und schließlich Alberschwende wirklich erholsam: Man tuckert gemütlich alleine durch das Grün und kann auch mal anhalten. Motor aus, Kinnteil vom Klapphelm hoch, durchatmen und die Landschaft und Ruhe genießen.

Den Abschluss der Nachweistour habe ich heute auf »Alberschwende« gesetzt. Es war einfach genug, den Weg von Dornbirn nach Schwarzenberg via »Losenpass / Bödele« hebe ich mir für die Tour in knapp einem Monat auf. Da habe ich meinen Urlaub geplant und werde – sofern das Wetter mitspielt – die Ecke noch einmal besuchen.


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