Ich kann mich beinahe nicht entscheiden wo ich überall mitmachen soll. Also entscheide ich mich gegen alles und fahre alleine mit dem Motorrad über die Schwäbische Alb.
Zur Auswahl standen beispielsweise der Einsteinmarathon in Ulm (eindeutlich zu wenig Motorrad und zu viel Laufen für mich) und »he Distinguished Gentleman's Ride«[1], für dessen Teilnahme mir der passende einspurige Untersatz fehlt.
Während der Marathon selbsterklärend ist muss die andere Veranstaltung ein wenig erklärt werden. Zum Glück kann man dafür einfach die Seite zitieren:
Kurzum: Eine Fahrt für (mehr als) eine gute Sache mit klassischen Motorrädern oder zumindest welchen in klassischer Optik. Ich kann nicht mitmachen: Weder ist meine GS schon 35 Jahre alt (oder älter) noch gehört sie einen der gewünschten Kategorien an: »Café Racer, Bobber, Classics, Tracker, Scrambler, Old School Chopper, Modern Classics, Beiwagen, klassische Roller oder Brat Styled« ist meine GS nicht.
Daher: Schwäbische Alb. Fünf Passknacker-Nachweise erbringen und rund 200 km in 4 Stunden fahren um dann am Nachmittag wieder daheim sein zu können.
Jedoch hat sich sowohl die eine wie auch die andere Veranstaltung bei meiner kleinen Tour bemerkbar gemacht. Zunächst mal der Marathon:
Wunderbar. Natürlich habe ich das Schild NICHT gesehen da ich bereits im »Sackgassengebiet« unterwegs war.
Nachdem ich mich an den Straßensperrungen entlanggehangelt und schließlich einen Weg hinaus gefunden hatte, fand ich auch ein entsprechendes Hinweisschild.
Die Umleitung führte mich direkt am Salon Moto[2] in Neu-Ulm vorbei. Dort war Start- und Zielpunkt für den Gentlemen's Ride für Ulm und Neu-Ulm. Entsprechend war dort um kurz nach 11 Uhr schon einiges los. Sowohl auf dem Gelände wie auch drumherum. Mir kamen einige klassische oder klassisch anmutende Motorräder und Roller mit interessant gekleideten Menschen darauf entgegen. Vespa mit Parka, Triumph mit kariertem Anzug und Fliege und beide mit obligatorschem Jethelm und Brille.
Auch noch rund 20–30 km auswärts von Ulm kommt einem ein Chopper entgegen – und drauf jemand mit weißem (!) Anzug und roter Fliege. Das hatte wirklich Stil.
Wenn ich natürlich meinen Blick über das Blautal schweifen lasse und dabei das Schmarrnfon mit seiner Panoramafunktion mitschwenke fährt niemand vorbei. Ich packe es schon ein, da grummelt es hinter mir. Zwar keine extravagante Kleidung, aber zwei Gespanne ziehen vorbei. Eins erwische ich noch mit dem Schmarrnfon (und drücke leider zu früh ab).
Daher einfach die vorzüglich ins Bild gesetzte Umrissmarkierung vom LKW bewundern. Mit der habe ich mich in den letzten Tagen recht intensiv beschäftigt[3].
Einige Kilometer weiter, einige Höhenmeter weiter oben: Okay, dann fahre ich eben nicht da lang sondern woanders. Das fängt ja schon gut an.
Die Grußkadenz ist hoch. Anfangs zähle ich noch mit, nach 50 Motorrädern höre ich auf zu zählen. In einer Minute waren es schon 20 Stück, das sind dann wohl diejenigen welche noch mal im September fahren bevor sich im Oktober ihr Motorrad schon winterfein machen müssen? Ein paar »Bruchstrichfahrer« sind mit dabei, aber inklusive Oktober und November war es sicherlich heute nich die letzte Fahrt im Jahre 2019.
Am ersten heutigen Nachweispunkt »Alte Steige (Erkenbrechtsweiler)« ziehen weitere Motorradfahrer vorbei.
Weiter geht es über »Hohenneuffen« zum Nachweispunkt »Hülben (Flugplatz)«. Dort setzt sich im Hirn ein Ohrwurm fest... »Ooh can the can (Can the can honey) – Ooh can the can (Can the can honey) – Uh uh can the can (Can the can honey) – Ooh can the can (Can the can honey) – Ooh can the can (Can the can honey)«.
Während ich darüber grüble ob ich nicht doch noch einen anderen Song kenne bin ich via Grabenstetten auch schon in Bad Urach angekommen. Diesmal fahre ich nicht dran vorbei, diesmal wird fotograpixelt!
Das Opel Autohaus »Wurster« ist teilweise schon auf »AutoFit« umgeflaggt. Unter dem Vordach verbirgt sich aber noch immer ein Relikt aus alten Zeiten: Ein Opel-Schriftzug wie er zwischen 1950 und 1965 üblich war. Ob er wirklich so alt ist? Heute ist geschlossen und ich kann niemanden fragen.
Bevor aber auch er dem »AutoFit«-Schild weichen muss habe ich ihn jetzt mal festgehalten. Rechts daneben finden sich aktuell noch ein paar aktuelle Opel-Schriftzüge und -Logos. Wie das nach der Übernahme durch die Franzosen mit dem Händlernetz weitergehen wird? Die Zukunft wird es zeigen.
Ich könnte jetzt nach rechts fahren. So wie es das Navi vorschlägt. Es wäre der kürzeste Weg. Oder nach links. Damit das Navi wieder mit mir schimpfen kann – so wie bei den bisherigen Umleitungen.
Ich entscheide mich für den Umweg via B28 und über Hengen und Wittlingen um auf die B465 zu fahren. Warum? Weil die B28 einen neuen Fahrbahnbelag bekommen hat und sich nun vorzüglich fährt. Passend zu den neuen Pneu auf den Alurädern der BMW muss man doch den neuen Fahrbahnbelag auskosten, oder?
Ein kleines Panorama an der Abzweigung nach Hengen, direkt an der B28. Ein anderer Motorradfahrer hat in der Bucht auf der anderen Straßenseite auch eine kleine Pause eingelegt. Man grüßt sich zu und ich hüpfe dann mal ein klein wenig mit dem Schmarrnfon in der Hand über die Wiese.
Ein kurzer Blick auf den neuen Pneu am vorderen Ende der BMW. Knapp über 100 km sind schon gefahren und die grüne Farbe auf der Lauffläche hat sich schon verabschiedet. Im Negativprofil wird sie mich wohl bis zum Ende der Lebensdauer der Mitas Terra Force-R für einige 1'000 km begleiten.
Das Wetter. Die Landschaft. Der innere Drang Panoramen zu erstellen. Ich gebe mich geschlagen.
Ich stehe von Wittlingen kommend an der Kreuzung mit der B465 – und stelle die BMW erst mal in den Dreck. Die Terra Force-R sind ja auch für minimalen Offroad-Betrieb ausgelegt. Zumindest laut Hersteller. Also müssen sie das auch abkönnen. Daheim jammere ich dann vermutlich wieder darüber wieso so viel Dreck am Motor und unter der Sitzbank klebt.
Kleiner Tipp für Panoramasammler: Lasst das Schmarrnfon einfach hochkant. Zum Filmen uncool, für Panoramen sehr cool. Man bekommt einfach mehr auf's Bild drauf.
Leider ist die Zufahrt zum Nachweispunkt »Hanner Steige / Eppenzillfelsen« wieder nicht über die mit vier Kehren gespickte schmale Straße erreichbar. Sie ist wieder (oder noch immer?) gesperrt.
Bis zum »Haus auf der Alb«, einem Tagungszentrum der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, ist die Straße frei, dann kommt die Sperre. Radfahrer lassen dich davon offensichtlich nicht abhalten. Es kommen einige die Steige hinab, andere ignorieren die Sperre und fahren hinauf.
Statt in etwa 5 Minuten die 3,3 km zum Parkplatz zu fahren darf ich wieder der Umleitung über Sirchingen, Upfingen und Bleichstetten folgen. Rund 15 Minuten für 11 km – und gefühlt deutlich weniger Kurven. Die Realität ist eigentlich anders, aber die Strecke ist eben rein subjektiv nicht so schön zu fahren.
Anderes Motorrad, September statt April, 2019 statt 2015. Aber das Wetter ist gleich. Die Schilder an der Straßensperre auch. Wer will kann in meinem Beitrag von 2015 das Deja vu miterleben.
Aber nicht alles ist gleich. Der Nachweispunkt hat sich deutlich verändert. Es fehlt ein Baum – und das Schild.
Beides musste einem Radweg weichen. Dort wo sich nun der deutlich neuere Straßenbelag samt der offensichtlich nicht vor allzu langer Zeit aufgebrachten Markierungen für den Radweg befinden war damals noch Erde und ein Baum.
Das Schild steht nun ein paar Meter weiter. Die ganze Aktion hat sich total gelohnt. Denn die Radfahrer, welche während meines Fotograpixelns vorbeiradeln, nutzen natürlich nicht den Radweg sondern fahren auf der Straße. So wie damals...
Der Umleitungsmarathon geht weiter. Aber mit ein wenig Glück im Gepäck. Denn die Straße ist zwar irgendwann gesperrt, aber bis zum Gestütshof St. Johann ist die Straße noch frei.
Vorbei an den zwei (!) Absperrungen führt mich die L380 bis zum Nachweispunkt. Weiter zur Triumph World Neckar-Alb in Eningen unter Achalm zu fahren ist leider nicht möglich. Vielleicht ja auch gut so. Kann ich schon keine Motorräder durch's Schaufenster anschauen welche ich mir sowieso nicht leisten kann weil sie noch »zu jung« sind und somit für mich zu teuer.
Der fünfte und letzte Nachweispunkt für heute ist erreicht. Nun geht es wieder heimwärts. Die Sonne im Rücken, die geplante Mahlzeit im Sinn.
Was schön ist wenn man von einer gesperrten Straße hinaus fährt: Man sieht keine Umleitungsschilder mehr sondern hat »freie Fahrt«. Na, zumindest für ein paar Kilometer.
Achso, da war ja noch was: Auch am Hinterrad sind die grünen Streifen von der Lauffläche inzwischen verschwunden.
Gächingen, Dottingen, Münsingen, Heroldstatt. Es läuft. Es läuft sogar sehr gut. Keine Umleitungen, kein Stau aber wieder viele zu grüßende Motorradfahrer welche ebendfalls freudig Grüßen. Zwar ist niemand in Tweedjacke oder mit Parka unterwegs. Fliegen trägt auch niemand. Aber offensichtlich haben alle Spaß an diesem schönen Spätsommertag. Oder ist es »Frühherbst«? Egal. Das gute Wetter genießen und die neuen Reifen »einfahren«. Mission erfüllt.
Etwa 212 Kilometer haben die Mitas Terra Force-R nun schon mal rollen dürfen. Wie fühlen sich die jetzt im Vergleich zu den vorher gefahrenen Mitas E-07 Dakar an?
Ich fühle mich unsicher. Warum ist dem so? Fahre ich in eine Kurve »rubbelt« ab einer gewissen Schräglage nichts mehr, sondern ich kann mich beziehungsweise die BMW einfach »weiter reinlegen«. Irgendwie fehlt das gewohnte Signal »Wohlfühlschräglage erreicht«.
Außerdem läuft der Terra Force-R an der Front keinen Spurrillen mehr nach. Die E-07 Dakar waren da sehr zielstrebig. Sobald sie eine Spurrille erkannt hatten, wurde ihr artig gefolgt. Das Seltsame daran: Jetzt werden bekannte Straßen für mich irgendwie zu unberechenbaren, fremden Oberflächen. »Hier wollte das Rad doch immer woanders hin?« – jetzt nicht mehr.
Ein kurzes Stück auf Autobahn war heute auch noch mit drin. Wieso zieht es bei mir am Helm auf einmal so? Ein kurzer Blick auf den Tacho: Oh... 160 km/h... Normalerweise habe ich wegen dem Rubbeln des Stollenprofils der E-07 Dakar schon bei etwa 140 km/h aufgehört weiter zu beschleunigen. Meine Reisegeschwindigkeit lag üblicherweise 130 km/h (GPS, nicht Tacho).
Kurzum: Bevor ich mein Laien-Resüme zu den Terra Force-R abgeben kann muss mich wohl erst mal daran gewöhnen jetzt (wieder) ein anderes Motorrad zu haben.
Sobald der Prozess das abgeschlossen ist kann ich mehr zu den Reifen sagen. Jetzt habe ich im Hirn noch immer das mit den E-07 Dakar auf rund 14'200 km gesamelten Eindrücken abgespeichert. Das muss jetzt erst mal wieder abgewöhnt werden. Ich hoffe das Wetter im Oktober spielt mit und bietet mir zahlreiche Möglichkeiten dazu.
Eine Zahl habe ich noch: 266. 266 Nachweise sind mit den fünf Stück von heute erbracht. So viel wie 2018 am 20. Oktober »erfahren« hatte. Na, vielleicht schaffe ich 2019 noch weitere 34 Stück? Dann hätte ich erstmals 300 Nachweise in einer Saison geschafft. Petrus, hörst du mich und meine Pläne?
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Datum: | 29.09.2019 |
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Kommentare
schrieb am 02.10.19 um 08:05 Uhr:
Haha, den Umleitungsmarathon hatten wir dieses Jahr auf der Tour im Thüringer Wald auch! Naja, man lernt ungeplant neue Ecken kennen!
schrieb am 02.10.19 um 17:57 Uhr:
Ich habe bei meinen Touren (und auch wenn ich mal mit dem PKW dorthin fahren darf/muss) in der Ecke der Schwäbischen Alb den Eindruck bekommen, dass Umleitungen dort ein Normalzustand sind.