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Der Herbst ist da. Man spürt es an der Kälte und sieht es an den Straßenrändern. Natürlich ist auch das Laub der Bäume bunt geworden und fällt eifrig zu Boden, die Kürbis-Verkaufsstände sind nun auch wieder aufgebaut und schmücken mit ihrer orangefarbenen Pracht hier und dort die Landschaft.
Für mich war es der Comeback-Monat was es das Fahren auf dem Motorrad und das Pässeknacken betrifft. Die letzte Tankfüllung hatte die Tiger vor langer, langer Zeit bekommen. Weiter unten mehr dazu. Ich bin auch ein wenig eingerostet, daher waren unterwegs auch der eine oder andere freie Parkplatz für Kreisel- und Wendeübungen spontan hergenommen worden. Leider habe ich mich dabei nicht wirklich routiniert angestellt. Die Fahrpraxis fehlt mir, was wenig verwunderlich ist.
Immerhin macht die Tiger was sie soll und ich bin sogar ein klein wenig stolz auf mich. Ich habe nicht einmal versucht mit der rechten Hand einen Blinker zu setzen. Die BMW-Entwöhnung ist im Muskelgedächtnis noch vorhanden. ![]()
Was noch hakt ist das Schalten. Das ging bei der BMW einfacher, an die Tiger und den manchmal widerwilligen ersten Gang muss ich mich erst wieder gewöhnen. Zum Glück gibt es eine Ganganzeige.
Am ersten Nachweispunkt des Jahres, der »Friedenslinde« angekommen, wurde erst einmal von »Mann und Maschine allein im Wald« erstellt. Mit jedem Kilometer wurde wieder Vertrauen aufgebaut und ich muss gestehen, dass ich im Vergleich zu meinem zweispurigen Gefährt mit über 2 Tonnen Leergewicht das Beschleunigen der Tiger genossen habe. Nicht weil ich schnell fahren muss, sondern weil es »einfach funktioniert«. Selbst gemütliches Beschleunigen fühlt sich auf der Tiger deutlich flotter an, als in meinem Ford Ranger.
Was macht die linke Hand[1] beziehungsweise der Daumen? Erfreulicherweise gab es beim Kuppeln keinerlei Probleme. Dafür aber beim Blinken. Die punktuelle Belastung beim Betätigen des Blinkschalters spüre ich noch immer deutlich als unangenehmes Gefühl. Immerhin kein stechender Schmerz mehr. Die dicken Mohawk-Handschuhe haben sicherlich auch den Druck hier und da verteilt und so minimiert.
Beim Bedienen der Griffheizung und dem relativ kleinen Kopf musste ich leider auch erkennen, dass es weiter Einschränkungen gibt. Da muss ich weiter den Schaumstoffball daheim zusammendrücken und Hand beziehungsweise Daumen weiter trainieren. Wobei die Prognose noch immer ist, dass ich bis an mein Lebensende Schmerzen haben werde.
Vor der Fahrt: Den Ölstand prüfen, Reifendruck korrigieren, genügend Benzin im Tank oder schon alles verdunstet, richtiges Passknackerposter für 2025 im Köcher, Smartphone nicht vergessen – die Checkliste war überschaubar und alles hat soweit gepasst. Nur ein Detail hatte ich übersehen: Den Akku im Navigationsgerät. Den hatte ich vergessen noch einmal zu laden.
Vermutlich, weil man da drei Schrauben lösen muss bevor man ihn an ein USB-Kabel anschließen kann. Meine Hoffnung war, dass das Navi unterwegs genügend Ladestrom über die DIN-Bordsteckdose bekommt und dann nach 20 bis 50 km einsatzbereit ist. Leider ging der Plan nicht auf, das Display blieb dunkel.
Ein ganz anderes Problem beim Flugplatz Hülben. Am 18. und 19. Oktober 2025 fand das 15. Drachenfest auf dem Flugplatz statt. Daher mutierte der Parkplatz zur Einbahnstraße. 5 Euro fürs Parken (habe ich als Schild gesehen). Ich wollte doch nur den Nachweis erbringen und dann umdrehen. Leider nicht zulässig.
Ein nette Mann von der Feuerwehr wollte mich mit einem kühlen Bier locken, mir war es aber definitiv schon kühl genug (die Griffheizung lief bereits auf vorletzter Stufe). Ich durfte dann entgeltfrei passieren und den ausgeschilderten Weg in Form einer Schotterstraße idyllisch durch den Wald fahren.
Die Drachen waren schon von weitem zu sehen, Familien mit Kindern wuselten natürlich auch auf den Wegen herum. Das Wetter war ja auch noch mal einigermaßen akzeptabel (knapp 7°C wenn die Sonne noch nicht durch die Wolken kam, später dann zweistellig). Das nächste Bild ist zwar kein großes Panorama, aber ein wenig größer. Einfach Anklicken und dann noch mal klicken, dann kann man zumindest einen Teil der Drachen erahnen.
Der erste Tankstopp seit 4. November 2023. Nein, das ist kein Tippfehler. Den Tank hatte ich zuletzt vor rund zwei Jahren befüllt – wie immer mit E10. Heute konnte ich zumindest etwa die Hälfte vom damals eingefüllten Sprit durch die Einspritzdüsen laufen lassen. Die Hälfte vom Tank wurde anschließend wieder mit E10 befüllt.
Immerhin sind die Preise wieder gesunken. Damals hatte die Betankung einen Literpreis von 1,839 Euro. Heute waren es »nur« 1,609 Euro pro Liter E10.
2020, als ich die Tiger damals gebraucht gekauft habe, konnte man sie noch für 1,259 Euro pro Liter E10 volltanken.
Nachdem ich am zehnten und letzten Nachweis für mein Passknacker-Comeback angekommen bin, schaltete sich auch das Navi plötzlich ein. Nun ja, jetzt habe ich es nicht mehr gebraucht. Die anderen Nachweispunkte konnte ich auch aus dem Gedächtnis anfahren.
Wie selten ich das Navi nutze, ist auch an der Uhrzeit zu sehen. Das gute Stück hat noch Winterzeit.
Immerhin hat das Navi die Zeit gut gehalten. Auf die Minute genau, lediglich eine volle Stunde daneben. Aber eine Woche nach der Tour ist ja sowieso wieder die Umstellung gewesen.
In der Tiefgarage angekommen hatte ich schon ein wenig gefröstelt. Ich hatte in Hose und Jacke das Thermofutter drin, aber die Kälte drang zumindest bei der Jacke deutlich an der Brust hindurch und kühlte mich zunehmend aus. Es ist eben nicht mehr Sommer und vom erhofften goldenen Oktober war nichts zu sehen.
Die braunen Streifen auf dem Pneu stammen von dem Doppelparker. Ich habe versucht, die Tiger dort abzustellen. Es ist leider nicht möglich, denn der Seitenständer könnte durch das marode Stahlblech durchbrechen. Gleiches gilt für den Hauptständer. Das »Brett« auf der Fläche gehört mir nicht. Leider wird mein Stellplatz immer wieder als Müllabladeplatz genutzt.
Mein derzeitiges zweispuriges Gefährt stelle ich dort nicht ab. Es würde sowieso nicht reinpassen (zu lang, zu schwer), aber selbst bei einem Kleinwagen droht der Stahl rechts und links durchzubrechen. Mittig könnte er noch das Motorrad tragen, allerdings nicht ohne größere Auflagefläche.
Der nächste Morgen. Es ist kalt, ich habe um 10:00 Uhr einen Termin. Nebel satt, das Visier beschlägt auf jedem Meter, den die Tiger nach vorne rollt.
Ich bekomme den Eindruck, dass es auch regnen könnte. Es ist aber tatsächlich nur der dicke Nebel, welcher teilweise nur etwa 50 Meter Sichtweite zulässt. Kein optimales Motorrad-Wetter also, aber zwei Nachweise nehme ich dann doch noch mit.
Der Umweg zu den Nachweispunkten statt direkt zu meinem Termin zu fahren ist fast schon obligatorisch, denn die Autobahn ist mal wieder ein großer Parkplatz (aufgrund von einer Teilsperrung überlastet). Die Nebenstraßen als Ausweichstrecken wurden von den Navis in den PKW und Wohnmobilen auch schon entsprechend »befüllt«. ![]()
Ich musste so oder so einen Schlenker über die Schwäbische Alb fahren, daher habe ich die beiden mutmaßlich letzten Nachweise für dieses Jahr auch noch fotograpixelt.
Ich fühle mich in den Odenwald zurückversetzt. Dort hatte ich auch mal ein solches Wetter. Der Nebel wurde dann durch leichten Nieselregen abgelöst. Das ist zum Glück diesmal nicht passiert.
Die Griffheizung war jedenfalls mal wieder herzlich willkommen und auch notwendig. Ich bin dem Vorbesitzer noch immer dankbar dafür, dass er dieses sinnvolle Stück Zubehör angebaut hat. Auch wenn sich inzwischen die Griffgummis langsam aber sicher am Rand auflösen.
Wie weiter oben schon geschrieben, kommt die Tiger immer wieder an das gute, alte, zuverlässige Saito Ladegerät. Die Batterie in der Tiger hat so trotz der wenigen Fahrten seit 2023 überlebt und startet noch immer den Dreizylinder bereitwillig. Ich hoffe, dass es im nächsten Frühjahr auch so weitergeht.
Der »Tachostand der Schande«. Wenn die Tiger zur Hauptuntersuchung wird, fragt mich der Prüfer womöglich, ob ich die Tiger nur zum Anschauen gekauft habe.
Seit dem Kauf im August 2020 habe ich nur knapp unter 4.000 km damit zurückgelegt. Gut, am Anfang hatte ich parallel auch noch die BMW R 1150 GS und das letzte Jahr war wegen der Handverletzung komplett ausgefallen. Aber trotzdem. Das muss (wieder) anders werden.
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| Datum: | 31.10.2025 |
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