Wechsel von 125 auf 600 ccm

XJ 600 S statt YBR 125

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Die Nachfolgerin der Yamaha ist wieder eine Yamaha. Allerdings mit ein paar kW mehr, ein paar ccm mehr und auch einer »etwas« anderen Lackierung.

Schon vor dem Kauf hatte ich die im Internet angebotene XJ 600 beziehungs­weise die online vorhandenen Bilder im Freundes- und Bekanntenkreis ein wenig »herumgezeigt«. Dank der extravaganten Lackierung ließen die ersten alternativen Bezeichnungen nicht lange auf sich warten. Von »Papageien-XJ« über »Frauenfussball-WM-Edition« oder auch »mit Ronald-McDonald-Gedächtnis-Lackierung« wurden wohl diverse Assoziationen geweckt. Auch schön: »Such mal nach dem DHL-Aufkleber«.

XJ 600 (4 BRA) mit Koffern
XJ 600 (4 BRA) mit Koffern

Immerhin würden auch Koffer und Topcase durchaus die Vermutung des Einsatzes als Briefträger-Motorrad nahelegen?

Einen Schönheitswettbewerb gewinnt sie sicherlich nicht mehr, dafür hat sie zu viele optische Mängel. Die »besondere« Lackierung hat sie laut Vorbesitzer erhalten weil sie mal eins »auf die Nase« bekommen hat.

Eine neue Kanzel hätte seinerzeit zu viel gekostet, daher wurde sie von innen verstärkt und wieder zusammengeklebt und eben rot lackiert. Das Rot wiederholt sich nun auf den Felgen und am Kofferträger. Mich stört es nicht wirklich, dafür was sie auch recht günstig.

Die »Papageien-XJ« von rechts...
Die »Papageien-XJ« von rechts...
...und natürlich auch von links
...und natürlich auch von links


Das sie keinen Schönheitswettbewerb mehr gewinnen wird liegt nicht nur daran, dass sie die extravagante Lackierung hat, sondern auch am derzeitigen Zustand.

Offensichtlich wurde die Maschine gefahren als noch Salz auf der Straße lag – und danach leider nicht wirklich gereinigt.

Die Aufnahme vom Seitenständer war zwar schon einmal großflächig mit dem Lackstift bearbeitet worden, der Erfolg war allerdings offensichtlich nicht langfristig gegeben. Den Seitenständer habe ich separat in einer Plastiktüte erhalten. Auch er war reichlich angegammelt.

Rost an der Aufnahme vom Seitenständer
Rost an der Aufnahme vom Seitenständer
Vom Rost größtenteils befreiter Seitenständer
Vom Rost größtenteils befreiter Seitenständer


Aber der nur oberflächliche Rost kann mit 80er Schmirgelleinwand, Rostschutz und dem guten, alten »Rallye-Schwarz« aus der Dose einfach behoben werden.

Nach den ersten Minuten mit Schmirgelleinwand
Nach den ersten Minuten mit Schmirgelleinwand
Rostschutz auf der Aufnahme
Rostschutz auf der Aufnahme


Dem Thema Rost der XJ 600 widme ich mich dann demnächst mal in einem weiteren Beitrag. In der Zwischenzeit ein paar positive Aspekte. Eigentlich wollte ich ja eine XJ 600 N, also die »nackte« Variante. Im Nachhinein ist die XJ 600 S »Diversion« mit ihrer Verkleidung für mich die vermutlich bessere Wahl. Warum? Na wegen dem Windschild.

In der Fahrschule bin ich eine BMW G 650 Xcountry gefahren. Ab Tempo 80 zerrt der Fahrtwind schon kräftig an der Jacke und die Verwirbelungen am Helm pfeifen mir ihr hässliches Lied. Mit dem Windschild von Puig an der YBR 125 war es bei gleicher Geschwindigkeit deutlich angenehmer.

Dank der Verkleidung der XJ 600 hatte ich bis Tempo 100 auf den 50 km vom Vorbesitzer bis zu mir nach Hause kaum Windgeräusche am Helm. Auch der Fahrtwind wird offensichtlich gut abgeleitet, 90 km/h auf der XJ kamen mir – bezogen auf den Fahrtwind – vor wie 40 km/h auf der YBR.

Was auch eine schöne Umstellung ist: Anstatt mit etwa 4'000 U/min von der Ampel flott loszufahren und bei 8'000 U/min um die 90 km/h zu fahren dümpelt man bei 4'000 U/min im 6. Gang mit knapp unter 100 km/h über die Landstraße. Ab ca. 4'500 U/min wird's laut. Nicht wegen dem Fahrtwind, sondern weil sich da wohl die Verkleidung zum Mitschwingen animieren lässt, was auch so im XJ-Forum[1] mehrfach nachzulesen ist.

XJ 600 mit montiertem Seitenständer
XJ 600 mit montiertem Seitenständer

Jetzt muss ich noch auf die Unterlagen von der Versicherung warten welche hoffentlich gleich am Montag per E-Mail bei mir eintreffen sollten. Zumindest ging es damals bei den Versicherungsunterlagen für die YBR 125 sehr flott und problemlos via Internet.

Bis zur ersten längeren Ausfahrt mit der XJ 600 wird allerdings noch ein paar Tage dauern.

Die Maschine wurde in den letzten Jahren laut Vorbesitzer kaum bewegt und der eine oder andere Punkt bezüglich Wartung muss abgearbeitet werden. Das Öl sei schon ein wenig älter, ebenso muss die Kette mal wieder gereinigt und frisch geschmiert werden. Vor wie vielen Kilometern die Zündkerzen das letzte Mal gewechselt wurden konnte er mir auch nicht sagen.

Damit wären wir wieder bei den negativen Dingen meiner XJ 600. Der Verkäufer hatte zwar alle Schlüssel (inklusive der Schlüssel für die Koffer), aber abgesehen von Fahrzeugschein und -brief habe ich keine Dokumente beim Kauf erhalten. Keine Bedienungsanleitung, kein Serviceheft, keine Rechnungen über die zuletzt ausgeführten Wartungsarbeiten.

Ja, das wusste ich schon vor dem Kauf, aber ich hatte die Hoffnung er würde bis zur Abholung (eine Woche nach der Besichtigung) noch etwas suchen beziehungsweise finden.

Zündkerzen, Öl und Ölfilter kosten nicht die Welt, außerdem habe ich dank dem günstigen Preis auch noch genügend Luft für Wartungskosten – und die Gewissheit, dass alles neu ist und sauber erledigt wurde.

Was auch noch vor der größeren Ausfahrt erledigt werden muss: Der Vorderreifen muss gewechselt werden. Der aktuell auf der roten Felge vorhandene Gummi ist schon rund 9 Jahre alt und das Profil ist bis auf 1,6 mm abgefahren. Etwa 80 Euro kostet der Reifen, das Aufziehen und Wuchten wohl weitere 10-20 Euro kosten. Der Aus- und Einbau des Rads lässt sich vorne selbst bewerkstelligen.

Kilometerstand nach der Überführung
Kilometerstand nach der Überführung
Rechtzeitig mit dem Seitenständer fertig
Rechtzeitig mit dem Seitenständer fertig


Was heute direkt nach der Überführung noch zu erledigen war, wurde gerade so vor dem beginnenden Regen geschafft: Rost an der Aufnahme vom Seitenständer entfernen, Seitenständer montieren und die XJ abstellen. Jetzt warte ich dann mal bis die bereits bestellten Teile (Zündkerzen und Ölfilter) ankommen und wenn es aufhört zu Regnen geht es mit dem Entfernen vom Rost weiter.

Warum ich mir überhaupt so eine rollende Baustelle mit Wartungsstau vor da Haus stelle? Nun ja, zum einen wäre da der Preis. Gut gepflegte Maschinen kosten gebraucht locker 1000 Euro mehr – und brauchen trotzdem neue Kerzen, neues Öl und evtl. auch neue Reifen.

Wenn ich 1000 Euro weniger ausgeben muss kann ich auch mit einer roten »Nase« und ein wenig Rost leben.

Aber es gibt auch noch einen anderen Aspekt: Die Maschine ist aus erster Hand. Zumindest habe ich immerhin die schriftliche Bestätigung dafür, dass die Maschine wirklich nur rund 30'000 km gefahren wurde. Der Motor sieht sauber aus, es läuft kein Öl aus und da der Rest der Maschine nicht weiter geputzt wurde, würde man es dem Motor sicherlich auch ansehen wenn da irgendetwas auslaufen würde. Auch der Boden unter dem Stellplatz der XJ 600 war sauber.

Fahrzeugbrief: Seit 1995 nur ein Eigentümer
Fahrzeugbrief: Seit 1995 nur ein Eigentümer
Eintrag der allgemeinen Betriebserlaubnis
Eintrag der allgemeinen Betriebserlaubnis


Die XJ 600 war auch niemals gedrosselt. Die Innenseite des Briefs ist noch wie bei der ersten Ausgabe 1995: 37 kW, keine ein- und wieder ausgetragene Drossel auf 25 kW.

Stilllegung und Inbetriebnahme
Stilllegung und Inbetriebnahme

Auch noch ein nettes Detail: Der sonst jeden Winter übliche Spaß mit der Stilllegung und anschließenden Wiederinbetriebnahme im Frühjahr. Offensichtlich ist sie seit 2000 nicht mehr stillgelegt worden – daher wohl auch leider die Korrosionsschäden durch das Salz. Bei mir wird sie mit Saisonkennzeichen sozusagen »salzfrei« zugelassen: April bis November.


Warum ab April und nicht ab März – und wieso November und nicht Oktober? Weil ich bisher im März kaum fahren konnte (Wetter, Salz, etc.) und wegen einer Woche beziehungsweise einem Wochenende lohnt es sich vermutlich nicht. Andersherum beim November: Im November war ich mit der YBR noch viele Tage unterwegs. Außerdem liegt da für gewöhnlich auch noch kein Salz auf den Straßen.



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