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Kosten: Bremsflüssigkeitswechsel

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»Wieviel kostet der Bremflüssigkeitswechsel bei meinem Motorrad?« wird gerne in diversen Foren regelmäßig gefragt und führt bei manchem Forenmitglied sofort zu Stresspusteln.

Die Frage ist berechtigt, will doch ein Führerscheinanwärter gerade herausfinden welche Maschine er sich leisten kann oder ein »Windgesicht« (Motorradfahrer mit langer Erfahrung, dank übermäßigem Einsatz von Jethelmen jedoch davon stark im Gesicht davon gezeichnet) einfach nur vergleichen ob seine Werkstatt kräfter in den Geldbeutel hineingreift als andere.

Mancher wechselt die Bremsflüssigkeit selbst, hat also nur Materialkosten, andere wechseln nichts mehr selbst seit dem sie ein Fahrzeug mit ABS haben – und zu dieser Fraktion gehöre ich inzwischen auch.

Heute kam die Rechnung für die Arbeiten an meiner BMW R 1150 GS. Neben ein paar anderen Arbeiten steht dort auch der Wechsel der Hydraulikflüssigkeit vom Brems- und Kupplungssystem. Der Umschlag verrät es schon: Keine BMW-Vertragswerkstatt, dafür eine Werkstatt mit langjähriger BMW-Erfahrung. Das macht den Wechsel mutmaßlich schon mal den einen oder anderen Taler günstiger.

Post von der Werkstatt!
Post von der Werkstatt!

Ein Blick in die Aufstellung offenbart wie es um Arbeitszeit und Materialkosten bestellt ist. Die 10% Rabatt sind keine »Black Friday«-Aktion sondern die Kombination von »Motorrad über den Winter einstellen und Reparaturen ausführen lassen«.

Aufstellung der einzelnen Posten
Aufstellung der einzelnen Posten

Daher bereinige ich mal die Aufstellung ein wenig und schränke sie auf die Kosten für den Wechsel der Flüssigkeiten von Kupplungs- und Bremssystem ein:

Menge Artikel Preis (netto) Gesamt
12 Bremflüssigkeit im gesamten ABS System wechseln 6,30 € 75,60 €
7 Kupplungsflüssigkeit wechseln 6,30 € 44,10 €
1 8123115 Bremsflüssigkeit 12,61 € 12,61 €
  Löhne netto 119,70 €
  Material netto 12,61 €
  19% MwSt 25,14 €
  Rechnungsbetrag 157,45 €

Sind rund 160 Euro für den Bremsflüssigkeitswechsel subjektiv zu teuer? Ich sage »Nein«. Ich finde den Preis angemessen und könnte die Arbeit nicht selbst durchführen. Zudem sitze ich nicht eine Stunde oder länger in der kalten Garage und versuche die Flüssigkeit zu tauschen ohne Luft in System zu bekommen. Dann lieber 160 Euro bezahlen, wissen das jemand mit Ahnung von dem was er da so tut am Werk war und im Frühjahr einfach auf die Sitzbank setzen und losfahren.

Ich finde den Preis angemessen bis günstig
Ich finde den Preis angemessen bis günstig

Auf der Rechnung sind noch ein paar weitere Arbeiten aufgeführt. Das Überprüfen vom Ventilspiel bei der R 1150 GS oder besser gesagt wieviel es kostet habe ich schon in einem anderen Beitrag[1] geschrieben. Bei einem Reihenvierer mit je vier oder gar fünf Ventilen pro Zylinder (zum Beispiel bei einigen Yamahas der Fall) wird das auch nicht günstiger.

Daher als Tipp für Fahranfänger und Wiedereinsteiger:

Manche Kosten können durchaus überraschen – sowohl positiv wie auch negativ. Nicht nur Fahranfänger sondern auch Wiedereinsteiger (von wegen »vor 20 Jahren war das aber nicht so teuer«). Wobei die Wiedereinsteiger in der Regel mehr Kapital haben um sich das Hobby Motorrad leisten zu können.

Wer sich als Fahranfänger über die Kosten vom fälligen Kundendienst beziehungsweise bei Wartungsstau über die möglicherweise anfallenden Kosten informieren möchte: Mit 120 bis 200 Euro ist man beim Wechsel der Bremsflüssigkeit üblicherweise dabei. Kommen noch neue Bremsleitungen hinzu kostet es nochmals ein paar Taler mehr. Dann lieber gleich in Stahlflexleitungen investieren. Die bleiben am Motorrad und müssen nicht mehr gewechselt werden.

Ich den kommenden Wochen und Monaten werde ich noch weitere Beiträge zu den sogenannten »laufenden Kosten« und natürlich auch zu den sogenannten »Fixkosten« schreiben.

Warum überhaupt die Bremsflüssigkeit regelmäßig wechseln?

Ich formuliere es möglichst verständlich: Die verwendete Flüssigkeit in den Bremsleitungen ist »hygroskopisch« sie »zieht Feuchtigkeit an« (salopp ausgedrückt). Wenn die Flüssigkeit altert, sinkt durch die Bindung von Wasser an die Bremsflüssigkeit deren Temperaturbeständigkeit.

Wer nun viel bremst, bekommt einen heißen Bremssattel. Dieser erwärmt die Bremsflüssigkeit und wenn die dann einen niedrigeren Siedepunkt hat (wegen der »Alterung«) können sich Dampfblasen bilden. Dann greift man mit dem Bremshebel ins Leere, komprimiert nur den Dampf und die Bremse bremst nicht.

Damit man nicht in eine brenzlige oder gar lebensbedrohende Situation kommt: Regelmäßig die Flüssigkeit wechseln. Alle 2 Jahre wird empfohlen.

Wer eine Maschine kauft und nicht weiß wann die Bremsflüssigkeit zuletzt gewechselt wurde: Lieber gleich wechseln lassen, dann weiß man das es erledigt ist. Erspart einem unnötige Überraschungen.



Kommentare

ManniManni
schrieb am 30.11.19 um 23:40 Uhr:


Anmerkung: Grade ältere ABS-Systeme reagieren außerdem ungehalten auf alte Bremsflüssigkeit und vor allem deren unsachgemäßen Tausch und Dreck der im System bleibt.

Yamahas FJ1200 ABS ist ein gutes Beispiel, wird hier geschlampt "verklebt" die ABS-Einheit. Reparatur ist nicht vorgesehen, nur der komplette Tausch. Sofern man überhaupt noch eine neue bekommt wurden nur für die Einheit zum Schluss weit über 1000€ fällig, hab da was von an die 1500€ im Kopf.

Von daher lasse ich bei neuen Maschinen auch tauschen.


X_FISHX_FISH | https://www.600ccm.info
schrieb am 01.12.19 um 11:32 Uhr:


Stimmt, den Punkt mit »die Folgekosten können 10x so hoch sein« hätte ich noch betonen können. Das hatte ich unter der Bermerkung »[...] und könnte die Arbeit nicht selbst durchführen [...]« gedanklich zusammengefasst, aber den Schaden vom ABS-System aufgrund »gammliger Bremsflüssigkeit im System« unterschlagen. Warum ich mich da selbst nicht rantraue (leider etwas ausführlicher) folgt unten.

Was ich mir zur Prozedur bei der R 1150 GS angelesen habe (so kompakt wie möglich): Die Flüssigkeit müsste – wenn man es selber macht – zunächst komplett abgesaugt werden. Anschließend beim Befüllen muss zuerst unter dem Tank am ABS-Block entlüftet werden, danach an den Bremssätteln (andere DIYS-Anleitungen schildern es leider genau andersherum ). Vermutlich weil die einen (im Werk und in der Vertragswerkstatt) von unten befüllen, die anderen von oben durch den Ausgleichsbehälter.

Am Vorderrad ist die Montage von einem Nippel vorgesehen, welcher eingeschraubt werden muss. Wird der Nippel eingeschraubt, wird ein federbelastetes Ventil (»Schnellentlüfter«) geöffnet. Macht Sinn im Werk (schnellere Befüllung) und bei der Vertragswerkstatt (hat vermutlich auch das Spezialwerkzeug dafür), daheim schaut man aber blöd aus der Wäsche. Verschlossen ist das Teil mit einer Schraube mit Inbus.

Auf der rechten Seite am Vorderrad dieser oben beschriebene »Schnellentlüfter« montiert. Dieser wird – nicht bei BMW aber wohl bei freien Werkstätten – durch ein Entlüfterventil ersetzt. Da der Schnellentlüfter mit Schraubensicherungslack mehr als gut gesichert ist → lasse ich da lieber den Profi ran. Auf der Rechnung taucht das »Entlüfterventil M10x1« auf. Das müsste dann wohl eben dieses Teil sein?

Der Wechsel (mittels Durchspülen) sei auch ohne den ABS-Block zu entlüften möglich. Saugt man selbst ab um dann wieder neu zu befüllen muss der ABS-Block ebenfalls entlüftet werden.

Was ich vermute: Die Werkstatt saugt das komplette System leer, spült evtl. noch einmal nach und befüllt anschließend das System wieder von unten nach oben mittels Pumpe. Ich kann das leider daheim in der Werkstatt so nicht durchführen.


Peter M.Peter M. | https://motorradreiseecuador.hpage.de/
schrieb am 01.12.19 um 10:45 Uhr:


160€ nur für "Bremsöl" wechseln? Da wird man ja arm bei...
1l Bremsöl Procycle DOT4 kosten 10€ bei Louis. Damit kann man mehrmals vorne und hinten das Bremsöl wechseln...
Dazu kommt noch ein Bremsen-Entlüfter-Set (von Amazon) für knapp 25€.
Alle 20 Jahre ein Rep-Set für Geber-Zylinder, Nehmer-Zylinder, Brems-Zangen, Umrüsten auf Stahlflex-Bremsleitungen.
Wenn man (ich) dann noch nach Anleitung (aus dem Forum) das selber macht, ist es nicht nur billiger als bei der "Fachwerkstatt" sondern meist auch besser. "Fachwerkstätten" sind nie so pingelig und lassen sich so viel Zeit, wie wenn man sich am verregneten Wochenende selbst drum kümmert.
BTW: Bei der FJ1200 ABS muss man jedes Jahr das Bremsöl wechseln, weil ansonsten die Hydraulikeinheit des ABS-Systems (HDU) kaputt geht (Dreck&Ablagerungen).
FJ1200 Motorräder ohne ABS sind da weniger empfindlich...
Aber selbst für die komplexe Rep. (6-8 Std.) findet sich eine Anleitung im Forum...

PS: Um die letzten Luftblasen aus dem System zu bekommen, spanne ich den Bremshebel über Nacht am Lenker fest (Zurrgurt). Der Druck lässt die Blasen aufsteigen. Wenn die Bremse am nächsten Tag knallhart ist, ist alles i.O.
Lässt sie sich bis zum Lenker durchziehen, besser nochmal machen.


X_FISHX_FISH | https://www.600ccm.info
schrieb am 01.12.19 um 11:48 Uhr:


Jetzt haben sich dein Kommentar und meine Ausführungen zum ersten Kommentar überlappt.

Die Rubrik im Blog richtet sich an »Anfänger und Wiedereinsteiger«, welche häufig lieber nicht selbst an den Bremsen herumschrauben sollten. Mit drei Familienmitgliedern in der KFZ-Branche (schraubend, nicht verkaufend ) als Unterstützung traue ich mich so einiges, habe auch bei den Maschinen ohne ABS – mit Hilfestellung – regelmäßig die Flüssigkeit gewechselt.

Bei den Maschinen mit ABS und »besonderen Wartungsschritten« → Werkstatt. Warum ist oben nachzuvollziehen (was an der R 1150 GS notwendig ist/wäre). Ja, für weniger als 10 Euro bekommt man DOT4 in der Blechdose. Einmal geöffnet: Gleich verbrauchen und den Rest entsorgen. Nicht weiter aufheben (zieht Feuchtigkeit). Bei 10 Euro für das Kanisterchen kein finanzieller Beinbruch.

Noch ein Herzenswunsch von mir: Bitte nicht von »Bremsöl« sprechen. DOT 4 ist (salopp gesagt) ein Alkohol, kein Mineralöl. Ja, es gab auch Hydraulikflüssigkeit für Bremsen auf Mineralölbasis, aber damit mir keiner meiner Leser 10W-40 in den Ausgleichsbehälter von Kupplung oder Bremse kippt: »Bremsflüssigkeit«, nicht »Bremsöl«.


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Datum: 30.11.2019
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