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Recht viele »sehr besondere« Abweichungen zur Regelung in Deutschland

Schilder in Österreich: Höchstgeschwindigkeit innerorts

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Wenn sich der Deutsche mal ins Ausland verirrt muss er häufig ein Ding genau im Auge behalten: Den Tacho. Denn nicht nur das die Geschwindigkeitsverstöße im Ausland häufig deutlich saftiger geahndet werden als im heimischen Deutschland, es kommen auch noch »ungewohnte Beschilderungen« und Regelungen hinzu.

Ein kleiner Überblick mit Erklärungen was den deutschen Urlauber so im Nachbarland am Straßenrand als Beschilderung erwarten kann und worauf Acht zu geben ist wenn man nicht zur Kasse gebeten werden will.

Vielleicht könnte man beim Lesen glauben es wäre mein Beitrag zum 1. April – heute ist aber der 17. Juni, es ist definitiv kein »out of season april fools joke«.

Deeplink Regel #1: Nicht auf das Navi verlassen!

In Deutschland sind die Strafen bei Überschreitungen der Höchstgeschwindigkeit relativ »preiswert«. So wird außerorts gerne mal die Faustregel »20 drüber geht immer« umgesetzt – was in der Praxis im Ausland dann schnell empfindlich teuer werden kann.

Wer sich auf die akustische (und teilweise auch optische) Warnung von seinem Navi verlässt wenn er zu schnell fährt, kann aber auch schon ohne das »20 drüber geht immer« Pech haben. Baustellen, Umleitungen und daher temporäre Tempolimits kennen viele Navis nicht. Ebensowenig passen immer alle generellen Beschränkungen, welche innerorts häufig auf 40 km/h gesetzt sind. Schon vor Jahren fiel mir auf das mir mein Navi etwas von 50 km/h erzählen will obwohl 40 km/h am Ortsanfang beschildert wurde.

Daher: Augen aufhalten und sich nicht auf ein »Ping« oder sonstiges Warnsignal vom Navi verlassen!

Deeplink Tempolimit wird am Ortsanfang aufgehoben?

In Deutschland wird die »Ortstafel« gerne »Ortsschild« genannt. In den Gesetzestexten ist jedoch – wie in Österreich – von einer »Ortstafel« die Rede. In Deutschland lernt man in der Fahrschule, dass ab der Ortstafel (Zeichen 310) eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 50 km/h für alle Kraftfahrzeuge gilt – außer andere Zeichen geben etwas anders an.

Es muss also davor keine andere Geschwindigkeitsbeschränkung aufgehoben werden und sobald man den Ort verlässt darf man wieder 100 km/h fahren – außer ein Schild sagt etwas anderes.

In Österreich fällt schon mal auf das bei den Ortstafeln direkt darunter oder auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein bestehendes Tempolimit aufgehoben wird:

Berwang: Links wird das Tempolimit aufgehoben, rechts ein neues Limit gesetzt
Berwang: Links wird das Tempolimit aufgehoben, rechts ein neues Limit gesetzt

Warum wird das – aus deutscher Sicht – unnötige Schild aufgestellt auf welchem das 70 km/h Tempolimit aufgehoben wird? Ganz einfach: Weil es so sein muss.

In Österreich wird eine zuvor beschilderte Geschwindigkeitsbeschränkung nicht durch ein Hinweiszeichen »Ortstafel« (Volksmund »Ortsanfangtafel«) oder »Ortsende« (Volksmund »Ortsendetafel«) nicht aufgehoben sondern gilt weiter.[1]

Eigentlich kein großes Problem, schließlich hat man sich ja ohnehin merken müssen wie schnell man außerhalb der Ortschaft fahren durfte. Nur gilt das – anders als in Deutschland – auch weiter innerorts außer man verlässt die Vorrangstraße – außer es bestand außerorts auf einer »Freilandstraße« (Volksmund verkürzt »Freiland«) keine Beschränkung und somit 100 km/h als Höchstgeschwindigkeit. Genau das ist für viele die nicht Österreicher sind jedoch sehr verwirrend.

Daher zwei Beispiele:

Tempolimit auf 70 km/h außerorts, Ortstafel ohne zusätzliche Beschränkung: Innerorts gilt diese Beschränkung weiter (also maximal 70 km/h) außer es wird eingeschränkt oder man verlässt die Vorfahrtstraße. Beim Verlassen der Vorfahrtstraße gilt dann 50 km/h als Limit.

Kein Tempolimit außerorts, Ortstafel ohne zusätzliche Beschränkung: Von 100 km/h ist auf 50 km/h abzubremsen, ab Ortstafel gilt 50 km/h.

Das klingt irgendwie falsch? Für mich als nach deutscher StVO sozialisierten Verkehrs­teil­nehmer jedenfalls schon, aber es ist tatsächlich so:[3]

  • Wird auf einer Straße, die in ein Ortsgebiet führt, eine Tempo-Beschränkung (z.B. 70 km/h) verordnet, gilt diese in dem betroffenen Straßenzug in das Ortsgebiet hinein. "Erst ab dem Ende-Schild gilt dann das übliche Limit", erklärt der ÖAMTC-Experte.
  • Befindet sich auf dem Ständer der Ortstafel zusätzlich eine Geschwindig­keits­be­schränkung (oft 30 oder 40 km/h), so gilt diese für das gesamte Ortsgebiet, also nicht nur für den betroffenen Straßenzug. "Ganz im Gegenteil", warnt Hoffer, "Durchzugsstraßen sind oft mittels einer Zusatztafel vom Limit ausgenommen".
  • Steht neben der Ortstafel (Ortsbeginn) "50-Ende", so endet zwar der Geltungsbereich eines im Freilandbereich verordneten Tempo 50-Limits. Ab der Ortstafel muss aber trotzdem mit 50 km/h weiter gefahren werden.

In der Praxis müsste man sich also merken was für ein Limit bestanden hat bevor man in die Ortschaft hineinfuhr. Wegen der Ortstafel gilt – wie in Deutschland – maximal 50 km/h, jedoch nur auf den Querstraßen. Aber wer kann sich das so lange merken wenn er zwischendurch tankt, irgendwo einkehrt oder vielleicht sogar in der Ortschaft nächtigt? Da darf man morgens aufstehen, fährt auf die Vorrangstraße und dürfte 70 km/h fahren – weiß es aber nicht mehr und ist daher ein Verkehrshindernis.

Hilfe, warum ist das nur so kompliziert in Österreich?

Deeplink Bedeutung vom Tempolimit unter der Ortstafel

Befindet sich unter der Ortstafel ein Schild welches weniger als 50 km/h als Höchst­ge­schwindigkeit ausweist, so gilt diese Geschwindigkeit generell im Ortsbereich.

In Raggal-Plazera darf man innerorts also maximal nur 40 km/h fahren – außer ein anderes Schild schreibt vor das man noch langsamer zu fahren hat oder man sich auf der »L 88« befindet, denn auf der darf man 50 km/h fahren.

Innerorts 40 km/h – außer man fährt auf der L 88
Innerorts 40 km/h – außer man fährt auf der L 88

Alles klar? Nein? Okay, dann ausführlich.

Fährt man durch das Große Walsertal auf der L 88 und fährt dabei durch Raggal-Plazera darf man 50 km/h fahren. Biegt man von der durch den Ort führenden L 88 ab darf man nur noch maximal 40 km/h fahren. Ist eine andere Beschilderung aufgestellt welche die Geschwin­digkeit weiter begrenzt ist natürlich diese zu beachten und einzuhalten.

Es gilt also folgendes: »Eine Geschwindigkeitsbeschränkung gilt nur für den Straßenzug, an dem das Verkehrszeichen angebracht ist, und endet darum automatisch beim Einbiegen in eine Querstraße.«[2]

Das ist zu komplex? Dann bitte Kufstein vermeiden:

Kufstein (Ortseingang)
Kufstein (Ortseingang)
Kufstein (Ortsausgang – gleiche Stelle)
Kufstein (Ortsausgang – gleiche Stelle)

In Kufstein ist generell 40 km/h – außer auf der B 171, der B 175, der L 211 und der L 37.

Wer sich nicht ganz sicher ist auf welcher Straße er gerade unterwegs ist sollte dann eben die 40 km/h einhalten – oder es den Einheimischen nachtun und dort 50 km/h fahren wo sie 50 km/h fahren und entsprechend auf 40 km/h abbremsen wo es die Einheimischen auch tun.

Eine weitere Variante von Ausnahmen auf denen man 50 km/h fahren darf ist die Formulierung »ausgenommen Vorrangstraßen«. Leider ist mir auf meinen Fahrten durch Österreich bislang kein solches Schild in einer Situation begegnet in der ich es hätte fotografieren können.

Das Ende des Limits auf 40 km/h muss in Kufstein explizit angegeben werden, da wie bereits oben geschrieben eine beschilderte Geschwindigkeitsbeschränkung nicht durch ein Hinweiszeichen »Ortsende« aufgehoben wird. In Deutschland ist dies anders geregelt, da hebt das »Ortsende« auch bestehende Tempolimits auf und es gilt 100 km/h (außerorts) – außer ein Schild sagt etwas anderes.

Deeplink Ortstafel mal links, mal rechts...

Die Ortstafeln stehen in Deutschland angeblich immer rechts. Also sowohl am Ortsanfang wie auch am Ortsende. Das mag bei größeren Städten oder breiteren Straßen (beispielsweise vierspurig) zutreffen. Mir sind aber unterwegs mit PKW und Motorrad in Deutschland viele, viele, viele Schilder begegnet bei denen das Ortsende links ausgeschildert war (auf der Rückseite des Ortseingangsschilds).

In Österreich ist das nicht anders. Ich habe in Österreich auch noch nie eine Ortstafel am Ortseingang auf der linken Seite gesehen – oder ich verdränge das erfolgreich.

Links werden 70 km/h aufgehoben, rechts 50 km/h »gesetzt«
Links werden 70 km/h aufgehoben, rechts 50 km/h »gesetzt«

So wie auf den beiden Bildern hier kenne ich es. Fährt man wie oben zu sehen in die Ortschaft hinein wird links die vorhandene Geschwindigkeitsbeschränkung aufgehoben und wegen der Ortstafel gilt 50 km/h.

Verlässt man den Ort sieht es wie im Beispiel unten aussieht steht rechts das neue Tempolimit und links wird das Ortsende markiert.

Links werden 50 km/h aufgehoben, rechts 70 km/h »gesetzt«
Links werden 50 km/h aufgehoben, rechts 70 km/h »gesetzt«

Nichts anderes begegnet mir im Alltag und bei meinen Motorradtouren regelmäßig in Deutschland.

Deeplink Nicht bezahlen wegen »sonstiger Hinweisschilder«?

Für die meisten meiner Blogbesucher aus Deutschland wird es jetzt schon vermutlich skuril genug gewesen sein? Das lässt sich aber noch toppen.

2002 entscheid der »Unabhängige Verwaltungssenat (UVS) des Landes Oberösterreich« das jemand der mit 68 statt 50 km/h im Ortsgebiet unterwegs war nicht die Strafe in Höhe von 50,60 € bezahlen müsse weil das Ortstafel nicht korrekt ausgeführt wurde und daher ein »Kundmachungsmangel« vorlag:

[...] Es ist jede Kombination von Straßenverkehrszeichen und Hinweisschildern anderer Art – also solcher, die in der StVO nicht vorgesehen sind – auf einer Anbringungsvorrichtung im Grunde des § 48 Abs.4 StVO in der Fassung vor der am 23. Juni 1982 in Kraft getretenen 9. StVO-Novelle unzulässig und belastet die betreffende Straßenverkehrsverordnung mit einem Kundmachungsmangel. [...]

Quelle: www.uvs-ooe.gv.at[4]

Am Ortsschild war eine Zusatztafel mit der Aufschrift »Klimabündnisgemeinde« montiert. Zulässig ist jedoch nur eine grün-weiße Zusatztafel mit der Aufschrift »Erholungsdorf«.

Zusatzschild in Sulzberg (Vorarlberg), März 2019
Zusatzschild in Sulzberg (Vorarlberg), März 2019

Wie ist das jetzt in Sulzberg, Vorarlberg? Darf ich da dann auch einfach so und natürlich straffrei mit 68 km/h reinbrettern weil die auch ein Zusatzschild montiert haben? Inzwischen sind rund 17 Jahre seit dem Urteil in Oberösterreich vergangen. Ich probiere es nicht aus. Wer meldet sich freiwillig?


  • [1] www.ris.bka.gv.at – RIS - 11Os118/89 (11Os119/89) - Rechtssatz - Justiz (OGH, OLG, LG, BG, OPMS, AUSL)
  • [2] www.fuerboeck.at – Fahrschule Fürböck in Mödling: Geschwindigkeitsbeschränkung
  • [3] www.ots.at – ÖAMTC: Tempo 50 in Wien reicht teilweise über Ortsgebiet hinaus | ÖAMTC, 19.01.2006
  • [4] www.uvs-ooe.gv.at – Unabhängiger Verwaltungssenat des Landes Oberösterreich - VwSen-108335/2/BR/Rd

Kommentare

SusySusy | https://www.motorrado.de
schrieb am 14.07.19 um 00:54 Uhr:


Hallo,

DANKE für die hilfreiche Info!

Ojeee - Da waren wir letztens möglicherweise ständig als wandelndes Verkehrshindernis unterwegs?! (Sorry, liebe österreichische Mitverkehrsteilnehmer!)

Vermutlich hatten wir aber auch einen Riesen-Dusel, hier und da nach dem Ortsausgang nicht geblitzt worden zu sein... *Schreck*

Viele Grüße
Susy


X_FISHX_FISH | https://www.600ccm.info
schrieb am 14.07.19 um 00:59 Uhr:


Hallo Susy,

falls zu schnell unterwegs und so ein schicker Blitzer wie in Hochfilzen installiert war (blitzt 2x, einmal von vorne und einmal von hinten) bekommt ihr auch so tolle Post wie ich damals:

Liebe Grüße aus Tirol, Deine Bezirkshauptmannschaft


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Datum: 17.06.2019
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